Früherer Trigema-Chef

Wolfgang Grupp: „Wenn ich auf die Politik warte, bin ich pleite“

Volle Lager statt Produktionsstopp: Der frühere Trigema-Chef erklärt, warum er auch in schwierigen Zeiten nicht auf politische Hilfe setzt und welche Risiken er dabei eingeht.

Wolfgang Grupp, ehemaliger Chef des Bekleidungsunternehmens Trigema, erklärt, warum er auch in schwierigen Zeiten nicht auf politische Hilfe setzt (Archivfoto).

© Marijan Murat/dpa/Marijan Murat

Wolfgang Grupp, ehemaliger Chef des Bekleidungsunternehmens Trigema, erklärt, warum er auch in schwierigen Zeiten nicht auf politische Hilfe setzt (Archivfoto).

Von red/dpa/lsw

Der frühere Trigema-Chef Wolfgang Grupp setzt weiterhin auf unternehmerische Eigenverantwortung statt politischer Hilfe. „Wenn ich warten muss, bis die Politik mir den Weg ebnet, dann bin ich längst pleite“, sagte der 84-Jährige im dpa-Interview. 

Unternehmer müssten ihre Probleme selbst lösen – auch in Krisenzeiten. Schwankungen gehörten zum Geschäftsleben dazu: „Das hat es immer gegeben. Es gab immer Höhen und Tiefen.“ Auch aktuell spüre sein Unternehmen eine Konsumflaute, „da verkaufen wir weniger, klar“.

So geht der Unternehmer mit Krisen um

Die Trigema-Strategie: volle Produktion – auch auf Risiko und damit auf Lager. „Ich sehe nicht ein, dass wir Löhne bezahlen und die Mitarbeiter nicht ausgelastet sind“, sagte Grupp. Deshalb habe er auch in schwachen Phasen stets voll produziert, notfalls auf Lager. „Dann sind wir in guten Zeiten froh, dass wir auf ein volles Lager zurückgreifen können.“

Ein Zurückfahren der Produktion komme für ihn nicht infrage: Fixkosten liefen weiter, und ohne Lager fehle die Ware für bessere Zeiten. „Bei uns gab es 55 Jahre immer volle Produktion“, betonte Grupp. Mitarbeiter hätten Krisen dadurch oft gar nicht gespürt.

Grupp: Wer voll haftet, soll steuerlich entlastet werden

Zugleich warnt er vor Übermut in Boomphasen. Entscheidend sei, in guten Zeiten nicht „größenwahnsinnig“ zu werden und Kapazitäten aufzubauen, die sich später nicht auslasten lassen.

Kritisch äußerte sich Grupp über Unternehmensstrukturen in Deutschland. „Neugründungen werden nur noch als GmbH gemacht.“ Damit sei eine Insolvenz problemlos für den Unternehmer. Wer voll hafte, solle steuerlich deutlich entlastet werden, forderte er. „Dann sind die Entscheidungen vernünftiger, überlegter und verantwortungsvoller.“

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Erstellt:
10. Mai 2026, 14:48 Uhr

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