„Zucker schädigt auf Dauer unsere Gefäße“

Interview Was passiert, wenn wir zu viel Zucker essen? Und in welche typischen Zuckerfallen tappen wir oft in unserem Alltag? Zu diesem Thema doziert die Diätassistentin Cheyenne Brajan an der Volkshochschule Murrhardt.

Um länger gesund zu bleiben, sollten Menschen nicht zu viel Zucker am Tag zu sich nehmen. Symbolfoto: Adobe Stock/Africa Studio

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Um länger gesund zu bleiben, sollten Menschen nicht zu viel Zucker am Tag zu sich nehmen. Symbolfoto: Adobe Stock/Africa Studio

Sie sprechen in Ihrem Vortrag über die Schädlichkeit von Zucker. Da Sie sich viel mit dem Thema beschäftigen, essen Sie überhaupt selbst noch gerne Zucker oder plagt Sie da zu sehr das schlechte Gewissen?

Das hat sich für mich stark geändert mit dem Zucker. Wenn man die ganzen Einzelheiten darüber lernt, dann schaut man schon, dass man das gesunde Maß hält. Zucker ist ja nicht von Grund auf schlecht, der hat ja auch seinen Sinn. Aber der Überfluss ist eben schlecht und dementsprechend schaue ich, dass es im Rahmen bleibt und ich ihn gezielt einsetze.

Was ist es denn, das den Zucker so schädlich macht?

Zucker generell sind Kohlenhydrate. Wenn wir von dem klassischen Zucker sprechen, sind das die einkettigen und zweikettigen Kohlenhydrate. Sie verursachen einen sehr schnellen Blutzuckeranstieg, aber auch einen sehr schnellen Blutzuckerabfall. Und dieses Auf und Ab, das schädigt auf Dauer unser Gefäßsystem. Unsere ganzen Organe sind mit den Gefäßen verbunden und dadurch kann es nach und nach zu verschiedenen Erkrankungen kommen und natürlich auch zu Übergewicht.

Was sind das für Folgekrankheiten,
die man durch zu viel Zuckerkonsum bekommen kann?

Zum einen durch die hohen und schnellen Kalorien Übergewicht, was dann auch weiter zu einer Adipositas, also zu einem, ich sag mal, sehr ausgereiften Übergewicht führen kann. Und zum anderen die klassische Krankheit Diabetes mellitus, wobei durch Diabetes weitere Folgekrankheiten entstehen, wenn man es nicht in den Griff bekommt, zum Beispiel an Augen und Nieren. Und allgemein wird das ganze Herz-Kreislauf-System enorm belastet, wenn man auf Dauer einen hohen Zuckerkonsum hat. Deshalb kann auch so etwas wie Bluthochdruck mit Zucker zusammenhängen. Eine weitere Erkrankung wäre zum Beispiel auch die Fettleber. Obwohl man die Fettleber meistens mit zu hohem Fettkonsum in Verbindung bringt. Aber tatsächlich hat da der Zucker einen sehr großen Einfluss drauf.

Gibt es bei Zucker eine wissenschaftlich empfohlene Grenzmenge?

Es wird empfohlen, dass man maximal zehn Prozent Saccharose, also puren Zucker, zu sich nehmen soll, gemessen an der Gesamtenergiezufuhr vom ganzen Tag.

Was sind so typische Zuckerfallen, denen wir in unserem Alltag begegnen?

Es gibt viele Leute, die schon darauf achten, ob Zucker drin ist. Aber oft werden andere Worte verwendet, die der Normalverbraucher nicht unbedingt kennt. Oder dass die Verpackung supergesund gestaltet ist, zum Beispiel schön grün und das Wort Vollkorn mit draufgeschrieben, obwohl viel Zucker enthalten ist. Manchmal sind Produkte, die eigentlich viel ungesünder aussehen, sogar die bessere Wahl. Also die Optik täuscht ganz viel.

Welche Wörter werden denn beispielsweise von vielen Verbrauchern nicht als Zucker entlarvt?

Dextrose wär so ein Wort oder auch solche Spielereien wie Glukose-Fruktose-Sirup oder Agavendicksaft. Das ist ein anderes Produkt, kein purer Zucker. Viele denken deshalb, dass Agavendicksaft, Ahornsirup, und so weiter gesündere Alternativen zu Zucker sind. Aber das sind sie gar nicht, weil sie im Endeffekt, ganz grob gesagt, eigentlich wie flüssiger Zucker sind. Das wird auch total falsch vermarktet.

Wie kann man diese Zuckerfallen besser umgehen?

Ich sag gerne: Kenne, was du isst. Das heißt, schau wirklich das Produkt an. Das ist am Anfang natürlich erst mal ein Aufwand. Aber irgendwann hat man so seine Basics, die man nimmt. Und da wirklich drauf schauen und sich informieren, vielleicht auch bei einer professionellen Fachkraft, hinter welchen Wörtern eben Zucker steckt. Und lernen, die Verpackungen zu lesen, und danach dann auswählen.

Ist Fasten oder auch kompletter Verzicht ein guter Weg?

Nein, hauptsächlich aus dem Grund, weil es meistens nicht durchgehalten wird, wenn man über einen langen Zeitraum komplett verzichtet. Und ich sage mal so, natürlich sollte man nicht zu viel Zucker zu sich nehmen. Aber für die Psyche sollte man sich schon auch ab und zu einfach mal was Süßes gönnen. Da muss man einfach das richtige Maß finden. Es geht nicht um ein Verbot. Es geht auch nicht darum, vollkommen zuzuschlagen, sondern um eine schöne Mitte. Ähnlich wie beim Alkohol.

Wie sehen Sie das Belohnen von Kindern mit Süßigkeiten?

Das Belohnungssystem finde ich gar nicht gut, weil die Kinder dann etwas Gutes damit assoziieren. Sie machen etwas richtig, bekommen die Süßigkeit und somit wird von klein auf eingespielt, dass sie denken, dass es was Gutes ist. Dabei kann man das auch mit anderen Dingen tun und nicht nur mit Süßigkeiten.

Aber erlaubt sein sollten Süßigkeiten bei Kindern trotzdem?

Ja, auf jeden Fall. Ich habe auch schon von einigen gehört, dass es mehr bringt, zum Beispiel immer eine offene Süßigkeitenschüssel dastehen zu haben und es gar nicht wegzuschließen. Damit die Kinder den Umgang damit überhaupt erst lernen. Dass es nicht etwas Verbotenes ist, sondern wenn sie möchten, dürfen sie zugreifen. Aber sie wissen zum Beispiel, dass sie am Tag vielleicht zweimal in die Schüssel greifen dürfen.

Was können die Teilnehmer noch so in Ihrem Vortrag lernen?

Bei dem Vortrag gehen wir erst einmal drauf ein: Was ist Zucker überhaupt, wenn wir von diesem typischen Zucker sprechen? Was gibt es für Zuckerarten? Wo ist Zucker natürlich enthalten? Inwieweit kann man den Zucker austauschen, wenn man selber was backt und es reduzieren möchte? Genauso besprechen wir aber auch die Produkte wie zum Beispiel diese Zero- und Lightprodukte. Wenn draufsteht „zuckerfrei“, ob das dann auch wirklich zuckerfrei ist und wann die Hersteller das machen dürfen. Im Endeffekt gebe ich auch praktische Tipps, dass man sich selbst reflektieren kann. Okay, wie ist eigentlich aktuell meine Ernährung? Sollte ich Zucker vielleicht auch einschränken? Bin ich vielleicht in irgendwelche Fallen getappt und kann es aktiv ändern? Und dann Schritt für Schritt die Gewohnheiten ändern.

Das Gespräch führte Anja La Roche.

Ab und zu gönnt sich Diätberaterin Cheyenne Brajan trotzdem noch ein süßes Dessert – aber alles mit Maß. Foto: Tobias Sellmaier

© Tobias Sellmaier

Ab und zu gönnt sich Diätberaterin Cheyenne Brajan trotzdem noch ein süßes Dessert – aber alles mit Maß. Foto: Tobias Sellmaier

Selbstständige Diätberaterin

Cheyenne Brajan Die 24-Jährige aus Allmersbach im Tal hat sich als Diätberaterin und Pilatestrainerin selbstständig gemacht. Dafür hat sie eine dreijährige medizinische Ausbildung zur staatlich anerkannten Diätassistentin absolviert und sich im Bereich Sporternährung und Pilates weitergebildet.

Vortrag Der Vortrag „Zucker, Zucker, Zucker – wie schädlich ist dieser wirklich und wie kann ich die Tricks der Industrie umgehen?“ von der Volkshochschule Murrhardt findet morgen, 11. Juli, von 20 bis 21.30 Uhr statt, und zwar im Grabenschulhaus in Murrhardt, zweiter Stock, Raum zwei. Die Teilnahme am Kurs kostet 15 Euro. Anmeldungen nimmt die VHS Murrhardt persönlich, im Internet unter www.vhs-murrhardt.de oder per E-Mail an info@vhs-murrhardt.de entgegen. Anfragen werden gerne beantwortet unter Telefon 07192/9358-0.

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Erstellt:
10. Juli 2024, 06:00 Uhr

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