Digitale Souveränität

Zwei Drittel der Internetnutzer bevorzugen Firmen aus Europa

Die Mails mit Gmail verschicken, die Fotos in der Apple-Cloud speichern und über WhatsApp chatten - und damit den digitalen Alltag komplett über US-Riesen abwickeln. So machen es viele - oder?

O2-Chef Santiago Argelich Hesse (Mitte) bei einer Vorführung beim MWC an der Seite von Bundesdigitalminister Karsten Wildberger (links).

© Wolf von Dewitz/dpa

O2-Chef Santiago Argelich Hesse (Mitte) bei einer Vorführung beim MWC an der Seite von Bundesdigitalminister Karsten Wildberger (links).

Von dpa

Barcelona - Bei der Nutzung digitaler Dienste meiden viele Internetnutzer in Deutschland Anbieter aus Amerika. Wie eine Befragung des Telekommunikationsanbieters O2 Telefónica unter 1000 Mobilfunknutzern im Alter von 18 bis 75 Jahren ergab, bevorzugen 33 Prozent von ihnen überwiegend Daten-Services europäischer Anbieter und setzen das auch um. Weitere 32 Prozent möchten künftig stärker auf deutsche oder europäische Anbieter setzen, ein Teil von ihnen möchte das schon bald machen und der andere hat das nur grundsätzlich vor. Alles in allem bevorzugen zwei Drittel der Befragten Anbieter aus der EU.

Gefragt worden war, ob man digitale Dienste wie E-Mails, Apps und Cloud-Speicher nach der Herkunft des Anbieters aussuche. Nur 14 Prozent der Befragten gaben an, dass dies für sie keine Rolle spiele. Vier Prozent gucken lieber auf Anbieter außerhalb der EU, wenn deren Preise und Leistung besser sind, und 17 Prozent machten auf die Frage keine Angaben.

O2-Chef sieht großen Investitionsbedarf

O2-Chef Santiago Argelich Hesse präsentierte die Umfrage am Rande der Mobilfunk-Messe Mobile World Congress (MWC) in Barcelona. Er wertete es positiv, dass zwei Drittel europäische Anbieter bevorzugten. Die Ergebnisse seien ein Beleg für einen ausgeprägten Wunsch nach digitaler Souveränität, so der Manager. 

Die EU gilt bei Digitalthemen als mehr oder minder abhängig von den USA, deren große Technologieunternehmen eine dominante Rolle auch in Europa spielen, ob Smartphone-Hersteller Apple mit seinen Cloud-Diensten, die Facebook-Mutter Meta mit ihrem Chatdienst WhatsApp oder der Suchmaschinen-Riese Google mit seinem Maildienst Gmail. Europäische Wettbewerber spielen nur eine Nebenrolle, etwa der Schweizer Chatdienst Threema und der deutsche Maildienst web.de/gmx.de sowie dessen inländischer Wettbewerber posteo.de.

"Die Frage der digitalen Souveränität ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen", sagte der O2-Chef. "Die Menschen verstehen, dass es dabei um die Zukunft Europas geht." Er betonte die Notwendigkeit einer starken europäischen Telekommunikationsbranche. Telekommunikation sei längst mehr als Telefonate, SMS, Fernsehen und Radio – "sie ist eine kritische Infrastruktur, die wir gemeinsam intelligent nutzen müssen." 

Die Branche brauche Kapital und Ressourcen, um die notwendigen strategischen Investitionen zu ermöglichen. "In den nächsten Jahren müssen wir zweistellige Milliardenbeträge in den Netzausbau, Cybersicherheit und Cloud-Infrastruktur investieren." Das sei nur in einer länderübergreifenden Zusammenarbeit möglich.

Digitalminister Wildberger unterstützt Europas Telko-Branche 

Unter den Besuchern der Mobilfunk-Messe MWC war auch Bundesdigitalminister Karsten Wildberger (CDU), der der europäischen Telekommunikationsbranche den Rücken stärkte. "Zur digitalen Souveränität gehört eine starke Telekommunikations- und Infrastrukturindustrie", sagte der frühere Chef des Elektronikhändlers Mediamarkt-Saturn. 

Deutschland und Europa müssten bei der technologischen Entwicklung der Infrastruktur vorn mitspielen, mahnte Wildberger in Barcelona an. "Dafür brauchen wir profitablere Unternehmen, mehr Investitionsanreize und Regeln, die Innovation und Wachstum stärker fördern statt ausbremsen." Bei jeder Regulierung - also staatlich auferlegten Pflichten für die Wirtschaft - müsse geklärt werden, ob sie gut sei Innovation, Investitionen und Wachstum oder ob sie diese ausbremse.

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Erstellt:
4. März 2026, 05:20 Uhr

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