Junge Menschen zwischen 14 und 25

Zwei Drittel erleben sexualisierte Gewalt – Täter sind häufig Gleichaltrige

Viele junge Menschen erleben sexualisierte Gewalt unter Gleichaltrigen, online genauso wie offline. Das zeigt eine neue Studie. Welche Maßnahmen sich daraus ableiten lassen.

Wem kann man sich anvertrauen, wenn man sexualisierte Gewalt erfahren hat? Meistens sind es Freunde oder die Eltern.

© Jan Woitas/dpa

Wem kann man sich anvertrauen, wenn man sexualisierte Gewalt erfahren hat? Meistens sind es Freunde oder die Eltern.

Von Alexandra Kratz

Viele junge Menschen in Deutschland machen Erfahrungen mit sexualisierter Gewalt. Das zeigt eine Sonderauswertung der zehnten Jugendsexualitätsstudie des in Köln ansässigen Bundesinstituts für Öffentliche Gesundheit (BIÖG).

Demnach haben etwa zwei Drittel (64 Prozent) der 5855 befragten Jugendlichen und jungen Erwachsenen im Alter von 14 bis 25 Jahren mindestens schon einmal sexualisierter Gewalt ohne Körperkontakt erlebt. Dazu zählen zum Beispiel:

  • das gezielte Anbahnen sexueller Kontakte mit Minderjährigen im Internet
  • sexualisierte Beleidigungen
  • das Zusenden sexueller Bilder oder Filme.

Junge Frauen doppelt so oft betroffen wie junge Männer

Knapp ein Drittel (29 Prozent) der Befragten berichtet von mindestens einer Erfahrung mit sexualisierter Gewalt mit Körperkontakt. Darunter fallen unter anderem ungewollte beziehungsweise erzwungene körperliche Berührungen oder sexuelle Handlungen. Junge Frauen sind davon doppelt so häufig betroffen wie junge Männer. 71 Prozent der Gewalt ausübenden Personen sind männlich.

Die Daten zeigen außerdem, dass Jugendliche sexualisierte Gewalt häufig durch Gleichaltrige erfahren – und dies nicht selten in Anwesenheit oder mit Kenntnis anderer Gleichaltriger. Die meisten Betroffenen vertrauen sich nach der ersten körperlichen Gewalterfahrung mindestens einer anderen Person an. In mehr als der Hälfte der Fälle (51 Prozent) sind das Freundinnen und Freunde. Aber auch die Eltern sind in solchen Situationen wichtig, sie wurden von 33 Prozent der Betroffenen ins Vertrauen gezogen.

Jugendalter ist eine Phase erhöhten Risikos

Insgesamt bestätigen die Ergebnisse der Jugendsexualitätsstudie in weiten Teilen nationale und internationale Untersuchungen, heißt es in einer Pressemitteilung. Die Befunde würden belegen, dass das Jugendalter eine Phase erhöhten Risikos für sexualisierte Gewalt ist. Zudem würden Beobachtende und Mitwissende eine wichtige Rolle spielen. „Maßnahmen zur Prävention von sexualisierter Gewalt sollten daher sowohl die Perspektive der Betroffenen, der Bedrängenden als auch derjenigen Jugendlichen berücksichtigen, die bei Übergriffen dabei sind oder davon erfahren“, heißt es in der Pressemitteilung.

Mechthild Paul erklärt, was das in der Praxis bedeutet. Sie ist die stellvertretende Leiterin des Bundesinstituts für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) und sagt: „Viele junge Menschen erleben sexualisierte Gewalt unter Gleichaltrigen, online genauso wie offline. Deshalb ist es wichtig, dass sie lernen, Übergriffe zu erkennen und klar zu benennen. Gleichzeitig müssen wir sie darin bestärken, in riskanten Situationen sich und andere zu schützen sowie Betroffenen zur Seite zu stehen.“ Dafür sei es erforderlich, dass sexuelle Bildung in der Schule eine Rolle spiele und dass junge Menschen kompetente Ansprechpersonen in ihrem direkten Lebensumfeld finden, also zum Beispiel in ihrem Elternhaus.

Mit dem Gesetz zur Stärkung der Strukturen gegen sexualisierte Gewalt an Kindern und Jugendlichen hat das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit seit Anfang 2026 den Auftrag, Prävention und Schutz bundesweit auszubauen. „Daran arbeiten wir jetzt“, sagt Mechthild Paul und ergänzt: „Auf der Grundlage dieser Erkenntnisse werden wir zielgruppenspezifische Maßnahmen zur Prävention sexualisierter Gewalt entwickeln, die an den Lebensrealitäten der jungen Menschen ansetzen.“

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Erstellt:
10. April 2026, 18:16 Uhr

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