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Zwischen Autarkie und komplexen Regeln

Fachleute und Praktiker informieren zu Kraftwärmekopplung und Fotovoltaik und ihren Chancen für Gewerbe und E-Mobilität

Wer als Betrieb mithilfe von Fotovoltaik- oder Kraftwärmekopplungsanlage seinen eigenen Strom produziert, kann Kosten sparen. Ebenso denkbar ist, dann auch noch ein E-Fahrzeug oder sogar mehrere Mobile zu betanken. Um Firmen Möglichkeiten aufzuzeigen, sich in Richtung eines umweltbewussten, ressourcenschonenden Betriebs auf den Weg zu machen, hatte die Kompetenzstelle Energieeffizienz Region Stuttgart im Schulterschluss mit der Energieagentur Rems-Murr nach Murrhardt eingeladen.

Wer sich als Unternehmer in puncto Energieeffizienz auf den Weg machen will, ist nicht schlecht beraten, seinen Verbrauch genau unter die Lupe zu nehmen, zudem sollte er Gesetze und Förderungen im Blick haben. Foto: Adobe Stock/jittawit.21

© jittawit.21 - stock.adobe.com

Wer sich als Unternehmer in puncto Energieeffizienz auf den Weg machen will, ist nicht schlecht beraten, seinen Verbrauch genau unter die Lupe zu nehmen, zudem sollte er Gesetze und Förderungen im Blick haben. Foto: Adobe Stock/jittawit.21

Von Christine Schick

MURRHARDT. Die Vorträge des Informationsabends gaben einen Überblick zur Thematik, hielten aber auch ganz konkrete Praxisbeispiele bereit. Gerd Linke von der Süwag Energie AG skizzierte Projekte des Unternehmens und kam dabei auch immer wieder auf übergeordnete Fragen wie gesetzliche Regelungen und künftige Weichenstellungen durch Entscheidungen auf politischer Ebene zu sprechen. Die Bandbreite der Zusammenarbeit bei Modellen einer Abstimmung von Fotovoltaik, Kraftwärmekopplung und Nahwärme reicht bei der Süwag von Contracting über Pacht bis hin zu Betriebsführung. An einem Beispiel erläuterte er, wie beim Betrieb eines Blockheizkraftwerks (Erdgas) durch die Eigenstromerzeugung die Kosten sinken, wobei auch die Förderung eine Rolle spielt. Vor dem Hintergrund einer Studie für ein Automobilunternehmen im Stuttgarter Raum, das bei der Stromerzeugung CO2-ärmer bis -neutral werden möchte, sagte er, dass es künftig wichtiger werde, nicht nur den Kraftstoff, sondern auch die mit ihm verbundenen Emissionen zu betrachten. Die Rangfolge hier: Heizöl, Erdgas, Holz. Die gesetzlichen Eckpfeiler – das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) und Kraft-Wärme-Kopplungsgesetz (KWKG) – haben viele Veränderungen erfahren. Während die Einspeisung durch die Vermarktungspflicht ab 100 Kilowattstunden komplizierter und weniger lukrativ geworden ist, stellt das KWKG die Weichen für kleine, dezentrale Anlagen, resümierte Gerd Linke. Kurzer Schwenk ins Private: Wohnungseigentümern beispielsweise in einem Haus oder größeren Komplex, die gemeinsam eine Fotovoltaikanlage betreiben möchten, wird es durch die gesetzlichen Rahmenbedingungen nicht ganz einfach gemacht. Sie müssen sich alle einigen und mit komplexen Regelungen auseinandersetzen, erläuterte der Diplomingenieur. Ein weiterer Rahmen ist das Erneuerbare-Wärme-Gesetz Baden-Württemberg (EWärmeG). Mögliche Schritte sind hier Wärmedämmung oder ein Anschluss an die Nahwärme. Wie auch immer das Eigenstromkonzept beziehungsweise die jeweilige Kombination aussieht, Gerd Linke rät dazu, beim Messen der Quellen und Anlagen alles genau zu erfassen. Bald werde die Fernauslese auch selbstverständlicher und die Bilanzierung dadurch einfacher.

Beim Ausbau der E-Mobilität können Unternehmen auch einen wichtigen Beitrag leisten

Dieter Bindel rollte das Thema ganz praktisch, aus Sicht des mobilen Unternehmers beziehungsweise Bürgers auf. Der Handwerksmeister mit eigenem Betrieb und Energieberater fährt seit 2014 Elektroauto. Einerseits hält sich das Gedränge an E-Tankstellen noch in Grenzen, die Nutzergemeinde scheint immer noch überschaubar, andererseits machte Bindel klar, dass sich die Voraussetzungen mit dem Zapfsäulenausbau deutlich verbessert haben. Auch die Eigenstromnutzung rechnet sich im Vergleich zu einem Diesel deutlich. Unternehmen kommt beim Thema mit Blick auf die Mitarbeiter und ihren Arbeitsweg eine wichtige Rolle zu. Die Firma Mahle hat dieses Jahr für ein firmeneigenes Parkhaus in Stuttgart 100 Ladepunkte realisiert, wie Dieter Bindel berichtete. Wer künftig aufs E-Fahrzeug setzt, müsse zwar strategisch planen (Entfernungen, Ladestationen), habe aus seiner Sicht aber auch Vorteile wie Förderungen sowie weniger Abnutzung und Reparaturen .

Ebenfalls viele praktische Anregungen und Ideen gab Andreas Winkle in seinem Beitrag. Der Geschäftsführer der Murrhardter Stempel-Winkle GmbH, die sich auf die Druckvorstufe – Datenaufbereitung bis zur Formerstellung – spezialisiert hat, hatte sich vor rund einem Jahr an die Energieagentur Rems-Murr gewandt, um bei der Energieeffizienz in der Firma noch Optimierungspotenzial auszumachen. Weil das Unternehmen aber bereits vieles in dieser Hinsicht umgesetzt hatte, entstand die Idee, dies am Abend vorzustellen. Winkle berichtete, dass für den Betrieb die Teilnahme an der Ecofit-Zertifizierung ein zentraler Anlass gewesen sei, sich 2011 auf den Weg zu machen. Sie ist eingebettet in ein Förderprogramm des Ministeriums für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg für betrieblichen Umweltschutz. Zu seiner Motivation sagte er: „Die Grundüberlegung war, dass sich Ökonomie und Ökologie nicht ausschließen müssen.“ Auch der Gedanke, mit größerer Sparsamkeit und Eigenstromproduktion unabhängiger zu werden, spielte eine Rolle. Über die Jahre kamen einige Maßnahmen zusammen: Anschluss an die Nahwärmeversorgung der Stadt (eigene Gasheizung stillgelegt), Installation einer eigenen Fotovoltaikanlage, Umstellung der Beleuchtung auf LED, Inbetriebnahme von Wärmepumpen sowie Umstellungen bei betrieblichen Maschinen. Alles in allem hat sich dadurch der Strombedarf von außen für das Unternehmen spürbar verringert.

Den bezieht die Firma von einem Ökostromanbieter aus Baden-Württemberg, den Elektrizitätswerken Schönau. Vorteilhaft sei auch gewesen, den Verbrauch genau zu dokumentieren und aus diesen Zahlen zu lernen. Mittlerweile kommt der Betrieb in der Zeit von 10 bis 19 Uhr so gut wie ohne Fremdstrom aus. Mit Blick auf die Zukunft möchte Winkle noch autarker werden und den restlichen Bedarf über den Einbau von Speichern decken. Denkbar seien Lithium-NMC-Zellen.

Beim abschließenden Austausch meldete sich ein Teilnehmer mit der Frage zu Wort, weshalb bei Blockheizkraftwerken immer noch auf Gas und nicht vielmehr auf Holz gesetzt werde. Spannend war, von den Erfahrungen eines Sägewerk-Unternehmers mit dieser Technik zu hören, die Pflege und Sachverstand benötigt.

Michael Schaaf von der Energieagentur Rems-Murr, der nach der Begrüßung von Rainer Braulik, Geschäftsführer der Murrhardter Stadtwerke, auch durch den Abend führte, gab den Besuchern noch einige Stichworte zur Kompetenzstelle Energieeffizienz Region Stuttgart (KEFF) mit. Vor allem legte er den Gästen nahe, die Erstberatung und Tipps in Sachen Fördergelder genauso wie das Netzwerk zu nutzen.

Info
Effizienzmoderatoren begleiten Firmen vor Ort und verfügen über Fachnetzwerk

Die Kompetenzstelle für Energieeffizienz Region Stuttgart unterstützt kleine und mittlere Unternehmen beim Einsparen von Energie und Ressourcen. Sie ist in das landesweite Netzwerk Energieeffizienz eingebunden und wird aus Mitteln des Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung (EFRE) und des Landes Baden-Württemberg gefördert.

Die KEFF-Effizienzmoderatoren begleiten Unternehmen vor Ort: Sie führen ein erstes Gespräch, geben eine erste neutrale Hilfestellung und können bei Interesse auf geeignete Berater verweisen. Bei ihrer Tätigkeit arbeiten die Effizienzmoderatoren eng mit den Kreisenergieagenturen vor Ort zusammen. Die beiden KEFF-Effizienzmoderatoren bei der IHK versorgen die IHK-Mitgliedsbetriebe mit Auskünften und Veranstaltungen und der Kollege bei der Wirtschaftsförderung Region Stuttgart GmbH betreut die Unternehmen des Handwerks und der freien Unternehmen sowie Dienstleistungsunternehmen. Die Energieagentur Rems-Murr gGmbH ist direkter Ansprechpartner im Rems-Murr Kreis. Die Handwerkskammer Region Stuttgart und die Landeshauptstadt Stuttgart sind assoziierte Partner der KEFF Region Stuttgart. Weitere Informationen zur Arbeit und den Angeboten unter www.keff-bw.de.

Die Energieagentur Rems-Murr bietet für Unternehmen neben Beratungen auch vier kostenlose Checks. Unter die Lupe genommen werden können LED, Druckluft, Motoren und Pumpen. Weitere Infos unter www.energieagentur-remsmurr.de.

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Erstellt:
14. November 2019, 06:00 Uhr

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