Vom Schleppen und Spulen zum Klicken

Murrlichtspiele haben vor fünf Jahren auf digitale Technik umgestellt – Arbeit der Vorführer hat sich dadurch stark verändert

Madita Kugler steht an der lang gezogenen Theke im Foyer der Murrlichtspiele und blickt auf den Bildschirm, um etwas in den Filmeinstellungen nachzuschauen. Hinter ihr geht es in den Raum mit dem Herzstück der Anlage – dem modernen Projektor. Mit der Umstellung auf digitale Vorführtechnik hat sich für das Kinovereinsteam einiges geändert und der schnelle Wandel bringt es mit sich, dass man die Entwicklung im Grunde immer im Blick haben muss.

Und so sah die Sache noch im Frühjahr 2013 aus – hier mit Filmvorführer Bryan Welsch. Die Filmrollen brachten an die 35 Kilogramm auf die Waage. Archivfoto: J. Fiedler

Von Christine Schick

MURRHARDT. Obwohl die Umstellung erst fünf Jahre her ist, scheint die analoge Technik mittlerweile aus einer anderen Welt zu stammen. „Wenn ich einen Film auf einem alten Projektor zeigen müsste, wäre ich vermutlich maßlos überfordert. Hendrik Jäger hat mir das mit dem Schneiden und Kleben zwar mal gezeigt, aber das ist schon was ganz anderes“, sagt Madita Kugler, die vor rund drei Jahren zum Team gestoßen ist.

Günther Schock, Vorsitzender des Vereins Kommunales Kino, nickt. „Schon allein die Rollen hin- und herzutragen, war ja nicht ohne, sie haben um die 35 Kilogramm gewogen.“ Er erinnert sich noch gut an das eine oder andere Problem, mit dem ein Filmvorführer konfrontiert sein konnte. Falsch zusammengeklebte Teile des Films, springende Bilder oder wenn der Verantwortliche plötzlich Blut und Wasser schwitzt, weil der Streifen rückwärts läuft. „Dann war es wichtig, nicht hektisch zu werden, um es nicht noch schlimmer zu machen“, erzählt er. Stressig konnte es auch werden, wenn der Spediteur bereits vor Ort war und der Vorführer während der Vorstellung einen Großteil des Films zum Rücktransport vorbereiten musste.

All das ist nun kein Thema mehr. Manches ist rein körperlich gesehen einfacher und komfortabler geworden, es sind heutzutage mehr die Details, auf die es zu achten gilt. Die Filme kommen mittlerweile per USB-Platte ins Haus. Dann heißt es, sie erst einmal auf die Festplatte des Projektors zu kopieren.

Wenn der Film dann zur Verfügung steht, braucht der Vorführer einen digitalen Schlüssel, den das Team per E-Mail erhält. „Aber auch er gilt nur für eine bestimmte Zeit, das ist alles mehrfach gesichert“, erklärt Günther Schock. Besagter Schlüssel ist auch deshalb wichtig, weil er über bestimmte Versionen entscheidet, also ob ein Film in Deutsch oder beispielsweise im Original mit Untertitel gezeigt werden soll.

Fürs Filmeinrichten müssen rund zwei Stunden eingeplant werden

„Wenn man merkt, dass da beim Einrichten des Films ein Fehler passiert ist, lässt sich das durch den entsprechend richtigen Schlüssel relativ schnell beheben“, sagt Madita Kugler. Vorausgesetzt, beim Kopieren sind auch generell die richtigen beziehungsweise mehrere Sprachversionen auf die Festplatte gewandert. Um aber auf der sicheren Seite zu sein, sei ein kurzer Probelauf vor der Vorstellung sinnvoll. Für die Einrichtung des Films muss das Team rund zwei Stunden einplanen.

Vor fünf Jahren mussten sich die Mitglieder in all das erst mal einfuchsen, was über die Sommerpause lief. Anfangsprobleme gab es trotzdem, beispielsweise mit dem Tondecoder. „Der ist uns teils ganz abgestürzt“, erzählt der Vereinschef. In solch einer Situation schnell eine Lösung zu finden, sei schwer, eher ein Fall für einen beratenden Techniker. „Die Geräte sind da schon komplex“, meint Madita Kugler. Die 18-Jährige ist mittlerweile überzeugtes Teammitglied und wirkt auch im Vorstand mit. Zunächst hieß es, sich einfach mal an der Kinokasse einzuarbeiten. Wer dann Interesse am Vorführerjob hat, wird nach und nach eingelernt. „Beim Kassendienst bekommt man ja auch schon ein bisschen was mit und kann dem Vorführer über die Schulter schauen“, sagt sie.

Und wie wird eigentlich das Kinoprogramm ausgewählt? Dazu trifft sich der Vorstand alle zwei bis vier Wochen und bespricht sich. Generell zu bedienen sind drei Kategorien: Kinder- und Erwachsenenfilm sowie ein Streifen aus der Programmkinoecke. „Das sollte dann schon ein etwas ausgefallenerer Film sein“, erklärt die 18-Jährige. So möchte der Verein eine gewisse Breite anbieten – Filme aus den normalen Charts sowie Streifen, die eher einem Arthouse-Publikum gefallen. Als kleines Kino gibt es allerdings eine Schwierigkeit: Filme gleich zum Bundesstart zu zeigen, ist nur selten eine Option. „Das ist mit einigen Bedingungen verbunden, wie beispielsweise, dass man den Film drei Wochen exklusiv zeigt oder eine ganz bestimmte Anzahl von Tagen“, erläutert Günther Schock. Sprich, das muss einfach gut überlegt sein, ob der Film wirklich von so großem Interesse ist. Umgekehrt besteht der Vorteil, dass das Vereinsteam auch mal auf Wünsche eingehen kann, die das Publikum an es heranträgt. „Maleika“, ein Dokumentarfilm von Matto Barfuss über eine Gepardenfamilie, ist so ein Beispiel.

Was jeweils beim Publikum aus Murrhardt und Umgebung einschlägt, lässt sich schwer vorhersagen. Bei „Fack ju Göhte“ sei man da schon auf der sicheren Seite gewesen, sagt Madita Kugler. „Überraschend gut lief aber auch der Dokumentarfilm über Papst Franziskus“ von Wim Wenders.

Besonders zu schätzen wissen das Angebot Familien, die das Kinderprogramm für ihren Nachwuchs nutzen. „Senioren freuen sich, dass sie keine weiten Wege in Angriff nehmen müssen“, sagt die junge Filmvorführerin.

Jetzt, da sich die Umstellung auf digitale Technik zum fünften Mal jährt, ist der Kinoverein auch frei von finanziellen Belastungen: Die neue Anlage ist abbezahlt und die Bürgschaft der Stadt somit ausgelöst. Dranbleiben, die Technik und Neuerungen im Blick behalten, muss man allerdings trotzdem, sagt Schock.

Dazu gehört beispielsweise auch, dass es bereits einzelne Verleiher gibt, die einen Filmdownload direkt übers Internet anbieten. „Auch das haben wir schon gemacht“, erklären die beiden.