Viele spendeten Material und halfen mit

Evangelische Kirchengemeinde Kirchenkirnberg feierte gestern den Wiederaufbau ihrer Kirche vor 60 Jahren

Am 16. März 1952 weihte der damalige Landesbischof Martin Haug mit einem Festgottesdienst die wieder aufgebaute evangelische Kirche in Kirchenkirnberg ein. Gestern erinnerte die Kirchengemeinde in einem festlichen Gottesdienst und einem Stehempfang an dieses bedeutende Ereignis.

Gleich zwei Jubiläen gefeiert: Wiederaufbau der Kirche vor 60 Jahren (linkes Foto mit Pfarrer Peter Stadler und Zeitzeuge Gerhard Bohn, rechts). Beim Gottesdienst gedachten Wolfgang Hirsch, Waltraud Abele, Armin Frank, Roland Schwenger, Irene Häfner, Erwin Bohn, Hilde Hübler, Rudolf Schwenger ihrer Konfirmation vor 50 Jahren.Fotos: E. Klaper

Von Elisabeth Klaper

KIRCHENKIRNBERG. Der Wiederaufbau der Kirche ist ein Beispiel für großes bürgerschaftliches Engagement und den Mut, etwas zu wagen. Kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs, am 18. April 1945, war die alte, wesentlich größere Kirche bei einem schweren Luftangriff zerstört worden. Schon im Sommer desselben Jahres setzten sich Pfarrer Theodor Wagner und Kirchenpfleger Gottlob Bohn für den Wiederaufbau ein.

Die Kirchenkirnberger Gemeindemitglieder seien fest entschlossen gewesen, trotz großer Schwierigkeiten und kaum vorhandener finanzieller Mittel ihre Kirche wieder aufzubauen, betont Pfarrer Peter Stadler. Viele engagierten sich dafür, denn Kirchenkirnberg ohne Kirche, das sei für sie undenkbar gewesen, und bis heute sehe das Gotteshaus noch fast genau so aus wie vor 60 Jahren. Wie schwer so ein großes Vorhaben in der harten Nachkriegszeit zu verwirklichen war und wie die Kirchengemeinde es dennoch schaffte, erzählt Heimatkundler Eberhard Bohn in einer kleinen Festschrift. Er stellte sie 2002 zusammen, ebenso die Ausstellung über die Kirche, Kirchengemeinde und den Ort Kirchenkirnberg mit vielen alten Fotografien, Bauplänen, Büchern und Schriftstücken.

Manche Gemeindemitglieder wollten die Kirche in alter Größe wieder aufbauen, doch 1946 entwarf Regierungsbaumeister Professor Hans Seytter die Baupläne für einen kleineren Sakralbau. Kirchenkirnbergs Bürgermeister Karl Pressler stellte den Antrag auf Baugenehmigung, die 1948 endlich erteilt wurde. Die Baukosten wurden vor der Währungsreform mit 150000 Reichsmark veranschlagt, die knappen Baustoffe kamen vom Aufbauamt Ludwigsburg. Doch viele Gemeindemitglieder spendeten Holz und anderes Baumaterial. Auch verwendete man so viele Steine der Kirchenruine wie möglich. Diese hatte man einst in einem Steinbruch im gräflich-limpurgischen Wald bei Eichenkirnberg gebrochen, erzählt der 1943 geborene Zeitzeuge und Kirchengemeinderat Gerhard Bohn aus dem Gschwender Teilort.

Schon 1947 begannen die Einwohner mit den Vorbereitungen und schafften Schutt und Trümmer mit Kuh- und Ochsenfuhrwerken fort. Kirchenkirnberger Schüler halfen beim Tragen der Ziegel, einheimische Handwerker, handwerklich geschickte Bürger und bayerische Steinmetze arbeiteten mit und erbrachten zum Teil ehrenamtlich Eigenleistungen, erinnert sich Gerhard Bohn. Das geschah in Handarbeit mit langen Leitern, Flaschenzügen und mechanischen Hilfsmitteln. So wurde die Kirche kleiner und schlichter, aber wesentlich schöner wieder aufgebaut, 1951 feierte man das Richtfest. Die Finanzierung gelang dank vieler Material- und Geldspenden, Benefizveranstaltungen und einem Darlehen der Kirchengemeinden aus dem ganzen Kirchenbezirk Welzheim.

Ein heimatvertriebener Schreinermeister gestaltete kostenlos einen provisorischen Holzaltar und die Kanzel. 1954 kamen die Glocken in den Turm, 1959 baute man das Gemeindehaus an. Erst 1962 war die Kirche vollständig: Da wurde der steinerne Altar mit dem mehrfach durchbrochenen Kreuz aufgestellt, durch das der Auferstandene im modernen Chorfenster sichtbar ist, dazu baute man die Orgel und die Orgelempore ein. Gleichzeitig mit dem Kirchenjubiläum feierten einige Kirchenkirnberger ihre goldene Konfirmation.