Bereits für den Ernstfall

Abschreckung gegen Russland: Nato kündigt Atomwaffen-Übung an

In Italien trainiert die Nato vom kommenden Dienstag an für das Horrorszenerio eines Atomkriegs. Es geht um glaubwürdige Abschreckung - vor allem in eine Richtung.

Eurofighter mit dem Nato-Symbol: Das Kampfflugzeug symbolisiert Abschreckung, Einsatzbereitschaft und die sicherheitspolitische Zusammenarbeit innerhalb der Allianz. Das soll auch mit der neuen Atomwaffen-Übung demonstriert werden (Fotomontage).

© Imago/Bihlmayerfotografie

Eurofighter mit dem Nato-Symbol: Das Kampfflugzeug symbolisiert Abschreckung, Einsatzbereitschaft und die sicherheitspolitische Zusammenarbeit innerhalb der Allianz. Das soll auch mit der neuen Atomwaffen-Übung demonstriert werden (Fotomontage).

Von Markus Brauer

Die Nato beginnt an diesem Dienstag (13. Oktober) ihr jährliches Manöver zur Verteidigung des Bündnisgebiets mit Atomwaffen. An der Übung „Steadfast Noon“ werden sich nach Angaben aus dem Hauptquartier der Allianz Streitkräfte aus 17 Ländern beteiligen. Gastgeber der rund eineinhalbwöchigen Übung ist in diesem Jahr Italien.

Zu Details gab es zunächst keine Angaben. Aus der Bündniszentrale hieß es lediglich, der Umfang sei mit dem im Vorjahr vergleichbar. Damals hatte die Nato von rund 2000 beteiligten Militärs und mehr als 70 beteiligten Flugzeugen gesprochen. Darunter waren auch deutsche Kampfjets, die in der Lage sind, in Europa stationierte US-Atombomben zu transportieren.

Demonstration der Stärke gegen Feind aus dem Osten

Nato-Nuklearpolitikchefin Nassima Barrows sagt zu der bevorstehenden Übung, „Steadfast Noon“ solle demonstrieren, dass die Nato im Fall der Fälle bereit sei, das Bündnisgebiet zu verteidigen und auch über die erforderlichen Fähigkeiten verfüge. Echte Atomwaffen würden aber natürlich nicht eingesetzt.

Der im Bündnis für Nuklearoperationen zuständige Oberst David Bull erklärt, es gehe vor allem darum, das Zusammenspiel aller Beteiligten zu trainieren, um eine sichere, glaubwürdige und verlässliche nukleare Abschreckung aufrechtzuerhalten.

Nach Nato-Angaben steht die Übung in keinem Zusammenhang mit aktuellen weltpolitischen Ereignissen und richtet sich auch nicht gegen ein bestimmtes Land. In ihrer Bedrohungsanalyse hat die Allianz allerdings seit Jahren vor allem Russland im Blick. Erst in der vergangenen Woche wurde Moskau auch wieder nukleares Säbelrasseln vorgeworfen.

Die Übung beinhaltet die Simulation des Einsatzes von taktischen Kernwaffen durch Kampfflugzeuge als Trägersysteme. Geübt werden verschiedene Einsatzszenarien unter Einbeziehung von Feindbedrohung, der Unterdrückung oder Täuschung der gegnerischen Luftverteidigung einschließlich Luftbetankung und dem Schutz der Kernwaffenträger in der Luft.

Der Gastgeber der Übung wechselt jährlich zwischen den Staaten der nuklearen Teilhabe, Belgien, Deutschland, Italien, der Niederlande und der Türkei. Die Inhalte der Übung sind generell geheim. Für Steadfast Noon wird eine Übungsversion der B61-Kernwaffe verwendet.

Keine konkreten Angaben zum Szenario

Grund dafür, dass Deutschland als Land ohne eigene Atomwaffen regelmäßig an der Übung teilnimmt, ist die sogenannte nukleare Teilhabe der Nato. Sie sieht vor, dass in Europa stationierte US-Atomwaffen vom Typ B61 im Ernstfall auch von Flugzeugen von Partnerstaaten abgeworfen werden und dann etwa gegnerische Streitkräfte ausschalten.

US-Atomwaffen sollen offiziell unbestätigten Angaben zufolge zum Beispiel in Norditalien, in Belgien sowie in den Niederlanden und im rheinland-pfälzischen Büchel lagern.

Zum genauen Übungsszenario macht die Nato keine Angaben. Militärexperten zufolge wird bei den regelmäßig im Oktober stattfindenden Manövern aber unter anderem geübt, wie man die Waffen sicher aus unterirdischen Magazinen zu den Flugzeugen transportiert und unter die Kampfjets montiert. Wie bei den anschließenden Angriffsübungen werden allerdings auch dabei nur Übungsbomben ohne echten Kernsprengkopf verwendet. (mit dpa)

Zum Artikel

Erstellt:
9. Oktober 2026, 09:42 Uhr

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen

Lesen Sie jetzt!

Kein Friedennobelpreis für Donald Trump

Der US-Präsident geht wieder leer aus und ist „not amused“

Dass er ihn verdient hat, steht für Donald Trump außer Frage. Und dennoch ist die höchste Friedensauszeichnung auf dem Planeten wieder nicht ihm, dem „Friedenspräsidenten“, dargeboten worden. Der US-Präsident wittert dahinter Kalkül und macht aus seinem Ärger kein Geheimnis.

DIe USA haben Sanktionen gegen den Internationaler Strafgerichtshof (ICC) in Den Haag (Foto) verhängt.

Washington/Den Haag

USA verhängen Sanktionen gegen Weltstrafgericht

Schon lange hat US-Präsident Trump den Internationalen Strafgerichtshof im Visier. Nun verhängt er weitere Sanktionen – nur wenige Stunden nach der Verleihung des Nobelpreises an eine Ex-Richterin.

Überraschte Friedensnobelpreisträgerin Navi Pillay.

Pillay in Nürnberg

„Teile den Preis mit Trump, wenn ihr noch länger klatscht“

Standing Ovations – und eine freche Spitze gegen Donald Trump: Die neue  Friedensnobelpreisträgerin Navanethem Pillay „droht“ dem deutschen Publikum scherzhaft.