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Experte stellt technische Alternativen heraus

Ist die 5-G-Mobilfunktechnik Fluch oder Segen? Eine Bürgerinitiative setzt sich für ein 5-G-freies Murrtal ein und hatte zu einer Infoveranstaltung mit Jörn Gutbier vom Verein „diagnose:funk“ in die Gemeindehalle Fornsbach eingeladen. Er referierte über die Risiken dieser Technik und zeigte Gegenvorschläge auf.

Jörn Gutbier kritisierte zum einen die Informationspolitik von staatlicher Seite, zum anderen, dass die mit der 5-G-Technologie verbundene Strahlenbelastung eigentlich gar nicht notwendig sei: „Es gibt für alle Anwendungen technische Alternativen.“ Foto: J. Fiedler

© Jörg Fiedler

Jörn Gutbier kritisierte zum einen die Informationspolitik von staatlicher Seite, zum anderen, dass die mit der 5-G-Technologie verbundene Strahlenbelastung eigentlich gar nicht notwendig sei: „Es gibt für alle Anwendungen technische Alternativen.“ Foto: J. Fiedler

Von Annette Hohnerlein

MURRHARDT. Die 5-G-Technologie soll demnächst auch in Murrhardt Einzug halten. Aus diesem Anlass haben sich rund zehn Bürger zu der „Interessengemeinschaft für ein gesundes Murrtal“ zusammengeschlossen und eine Veranstaltung mit dem Titel „Zu Risiken und Nebenwirkungen von 5G“ organisiert. „Wir haben eingeladen zu einem Thema, das einigen Bürgern sehr am Herzen liegt“, begrüßte Andrea Stingel die zahlreichen Besucher in der Fornsbacher Gemeindehalle, darunter auch Vertreter der Stadtverwaltung und der Gemeinderatsfraktionen.

Der Referent des Abends, Diplom-Ingenieur Jörn Gutbier, ist Architekt und Baubiologe, Fraktionsvorsitzender von Bündnis 90/Die Grünen im Herrenberger Gemeinderat und Vorstandsvorsitzender des Vereins „diagnose:funk“, einer Umwelt- und Verbraucherorganisation zum Schutz vor elektromagnetischer Strahlung. Gutbier prangerte den „bedingungslosen Ausbau der Mobilfunktechnologie“ an, mit dem Funklöcher geschlossen werden sollen. Dafür würden 10000 neue Sendeanlagen in Deutschland geplant. Zunächst gab er einen Überblick über das Spektrum von elektromagnetischer Strahlung, der der Mensch ausgesetzt ist: Diese reicht von der natürlich vorkommenden, geringen Strahlung über diejenige, die von Energiesparlampen und Radiogeräten ausgeht, über die Mobilfunk-, Infrarot- und Ultraviolettstrahlung bis hin zu Röntgen- und Gammastrahlen. Und er veranschaulichte die Zunahme der „elektromagnetischen Verschmutzung“ in den vergangenen Jahrzehnten und die Annäherung an die Grenzwerte, die von International Commission on Non-Ionizing Radiation Protection (ICNIRP) festgelegt wurden. An dieser Organisation ließ Gutbier kein gutes Haar, er bezeichnete sie als Mafia und sprach von Grenzwertbetrug zugunsten der Industrie. Die Auswirkungen elektromagnetischer Wellen auf die Gesundheit seien vielfältig, so der Referent. Er zählt auf: Befindlichkeitsstörungen (Elektrosensibilität), Fehlbildungen, Einfluss auf die Fruchtbarkeit, eine erhöhte Durchlässigkeit der Blut-Hirn-Schranke, Störungen des zentralen Nervensystems und ein erhöhtes Krebsrisiko. „Mobilfunk ist in der Lage, Krebs auszulösen, auch unterhalb der Grenzwerte.“ Dabei sei die Bewertung der vorliegenden Studien über die Schädlichkeit von Mobilfunk sehr unterschiedlich. Das Bundesamt für Strahlenschutz komme zu ganz anderen Ergebnissen als etwa der Verein „diagnose:funk“.

Kritik übt Gutbier an der staatlichen Informationspolitik: „Der Staat gibt sich Mühe, die Bürger nicht aufzuklären.“ Das Vorsorgeprinzip in der Umweltpolitik, zu dem sich zum Beispiel die Europäische Union verpflichtet habe, werde außer Acht gelassen.

Dabei sei die 5-G-Technik mit ihrer hohen Strahlenbelastung gar nicht notwendig, es gebe eine ganze Reihe von Ansätzen, die nach dem Prinzip „Mehr Daten mit weniger Strahlung“ funktionierten, erläutert der Referent. „Es gibt für alle Anwendungen technische Alternativen.“ Zum Beispiel sei es unnötig, innerhalb von Gebäuden mobil zu surfen. Dort könnten Daten über Glasfaser zugänglich gemacht werden, mobile Datenübertragung sei nur im Freien notwendig. Dafür seien sogenannte Kleinzellennetze sinnvoll, also nicht wenige große, sondern mehrere kleine Sendepunkte, die zu weniger Emissionen führten und nicht die Gebäude durchstrahlten. Darüber hinaus könne die Strahlung deutlich minimiert werden, wenn nicht jeder Mobilfunkanbieter ein eigenes Netz unterhalte, sondern eines für alle nutzbar sei. Außerdem gebe es eine neue, verträglichere Technik, bei der der Datenfluss über die Frequenzen der künstlichen Lichtquellen erfolge. Diese stehe bereits in den Startlöchern, sei aber nicht ganz billig.

Den Kommunen rät der Fachmann, sich gegen die Einführung von 5G zur Wehr zu setzen. 20 Gemeinden in Deutschland hätten dies bereits getan und die neue Technik per Moratorium ausgesetzt. Außerdem könne eine Gemeinde Einfluss auf den Standort, die Höhe und die Ausrichtung von neuen Mobilfunkmasten nehmen und von den Betreibern die Reduzierung der Emissionen verlangen. Bei vorhandenen Anlagen sei das allerdings nicht möglich, da diese vom Betreiber ohne weitere Genehmigung nachgerüstet werden könnten.

In der anschließenden Diskussion meldeten sich zahlreiche Bürger zu Wort. Dabei ging es um den Einfluss von Satelliten auf die Strahlenbelastung, den gestiegenen Stromverbrauch und die Möglichkeit, das eigene Stromnetz für die Datenübertragung zu nutzen. Weitere Themen waren die Gestaltung eines strahlengeschützten Schlafplatzes und der Schutz vor dem WLAN des Wohnungsnachbarn in Mehrfamilienhäusern.

Die Initiative „Interessengemeinschaft für ein gesundes Murrtal“ lädt zu zwei weiteren Infoveranstaltungen in den „Herzraum“ des Vereins Sound of Humanity, Erich-Schumm- Straße 11, in Murrhardt, ein: Am Montag, 20. Juli, und am Dienstag, 28. Juli, jeweils um 19 Uhr. Referent ist Matthias Cordes.

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Erstellt:
15. Juli 2020, 06:00 Uhr

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