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Lesecafé und Aktionszonen

Der Murrhardter Gemeinderat gibt grünes Licht für die Konzeption zur Weiterentwicklung der Stadtbücherei. Die Stadtverwaltung erhofft dazu eine Fördersumme von 25000 Euro aus dem neuen Bundeszuschussprogramm für Bibliotheken „Vor Ort für alle“.

Ein wichtiges Element der Umgestaltung ist, innerhalb der Stadtbücherei mehr Platz für verschiedene Aktionen zu schaffen – sei es wie hier für eine Ausstellung rund um Fluchtursachen, sei es für Angebote beispielsweise der Schreibwerkstatt. Damit diese Flexibilität künftig möglich ist, müssen auch beim Mobiliar und bei der Einrichtung ein paar Dinge geändert werden. Archivfotos: J. Fiedler

© Jörg Fiedler

Ein wichtiges Element der Umgestaltung ist, innerhalb der Stadtbücherei mehr Platz für verschiedene Aktionen zu schaffen – sei es wie hier für eine Ausstellung rund um Fluchtursachen, sei es für Angebote beispielsweise der Schreibwerkstatt. Damit diese Flexibilität künftig möglich ist, müssen auch beim Mobiliar und bei der Einrichtung ein paar Dinge geändert werden. Archivfotos: J. Fiedler

Von Elisabeth Klaper

MURRHARDT. Die Stadtbücherei soll modernisiert und zu einem sogenannten dritten Ort für alle Altersgruppen umgestaltet werden – also einer der gesellschaftlichen Zwischenräume des Austauschs neben dem eigenen Zuhause und dem Arbeitsplatz. „Wir müssen auf die Digitalisierung reagieren, uns an Veränderungen anpassen und mehr Lese- und Aufenthaltszonen schaffen, damit die Stadtbücherei attraktiv bleibt“, betonte Bürgermeister Armin Mößner in der jüngsten Gemeinderatssitzung.

Dazu habe man bereits 2019 eine Konzeption für die Stadtbücherei der Zukunft ausgearbeitet. Dies geschah gemeinsam mit deren Leiterin, Diplom-Bibliothekarin Jutta Brasch, und der Fachstelle für das öffentliche Bibliothekswesen des Regierungspräsidiums Stuttgart. Deren Mitarbeiter erarbeiteten nach einer Bestandsaufnahme eine Stellungnahme zur Stadtbücherei der Walterichstadt. In einer kleinen Fotoschau stellte Jutta Brasch den Stadträten die wichtigsten geplanten Neuerungen vor.

„Neue Bibliotheken sind anders konzipiert, die Bücherregale stehen an den Wänden. So gibt es viel Platz und Freiräume in der Mitte, um flexibel verschiedene Angebote, Aktionen oder Veranstaltungen realisieren zu können“, erläuterte die Stadtbüchereileiterin. Vorbild für die Umgestaltung ist die Stadtbücherei von Würzburg: „So etwas wünschen wir uns auch in Murrhardt.“ Für den dritten Ort im Kinderbuchbereich sei das bestehende Sitzpodest viel zu klein. Darum soll es durch ein flexibles System mit diversen Modulen ersetzt werden, die man je nach Gruppengröße platzieren könne. Die Bilderbuchtröge bleiben, sollen aber untergeschoben werden können.

Im Zentrum des dritten Orts für Erwachsene stehe ein Lesecafé, das in modernen Büchereien Standard sei. Auch in den Besucherbefragungen wurde laut Brasch eine Möglichkeit zum Kaffeetrinken gewünscht. Da Sachbücher seltener ausgeliehen werden, sei der Sachbuchbereich zum Stadtgarten hin weniger genutzt und insofern als Standort geeignet. Die Konzeption sieht ein offenes Regal mit Kaffeemaschine, Teekocher und Geschirr vor. Einen abschließenden Sichtschutz sollen Zeitschriftentürme bilden, wo die bisher an verschiedenen Stellen ausgelegten Zeitschriften kompakt präsentiert werden. Im Lesecafé sind auch kleine Lesungen und Veranstaltungen mit Kooperationspartnern möglich. Indes gebe es in dieser Zone der Stadtbücherei keinen Wasseranschluss, darum benötige man für die kleine Küche hinter der Theke einen Geschirrspüler und größeren Kühlschrank.

Auf der Galerie, wo früher die Fremdsprachenbücher standen, deren Bestand man wegen der rückläufigen Nachfrage ausgedünnt habe, soll ein kleiner WLAN-Bereich geschaffen werden. Dafür benötige man kleine Klapptische, auf denen die Besucher eigene internetfähige Geräte wie Laptops oder Tablets aufstellen können. Zudem sollen dort einige Geräte stehen für Personen, die zu Hause über keine verfügen. Wichtig sei auch die Installation eines Schallschutzes für das Büro der Stadtbüchereileiterin, das sich direkt über der Theke befindet. Ein abgetrenntes Arbeiten und auch Erledigen von ungestörten Telefonaten sollte einfach gewährleistet sein, so Brasch.

Als weitere Wünsche nannte sie einen großen Tisch für Aktionen der Schreibwerkstatt und neue technische Geräte für das Programm „Total Digital“ des Deutschen Bibliotheksverbands. Es umfasst diverse Projekte, um Kindern und Jugendlichen den Zugang zu Bildung und modernen Medien zu ermöglichen und zu erleichtern. Überdies sei die Aufstockung der Stunden für fachkundiges Personal dringend erforderlich, sonst könne man die Ziele nicht umsetzen, verdeutlichte die Stadtbüchereileiterin. Aber: „Die Umsetzung dieser Ziele ist nur möglich mithilfe von Fördermitteln aus dem vor Kurzem geschaffenen Bundeszuschussprogramm ,Vor Ort für alle‘, eine Art Soforthilfe für Bibliotheken“, stellte der Bürgermeister klar. Die Stadt habe mit der fertigen Konzeption bereits einen Antrag gestellt, um die maximale Fördersumme von 25000 Euro zu erhalten. Insgesamt sind Kosten von rund 33300 Euro eingeplant. Dies bedeutet, dass der Eigenanteil der Stadt 8300 Euro beträgt, der aus Mitteln für die Stadtbücherei finanziert werden soll.

In kurzen Stellungnahmen sprachen die Fraktionssprecher dem Team der Stadtbücherei gegenüber viel Lob für deren Arbeit aus und hoben die Stadtbücherei als wichtige städtische Aufgabe sowie deren überörtliche Bedeutung hervor. „Gut, dass Sie schon die Konzeption in der Schublade hatten. Das Bundeszuschussprogramm eröffnet uns jetzt die Möglichkeit, in die Weiterentwicklung der Stadtbücherei einzusteigen, das sollten wir auf jeden Fall tun, auch hoffen wir, dass unser Antrag den Zuschlag erhält“, sagte Klaus Lang (CDU-FWV).

Gerd Linke wies auf den Bildungsauftrag der Stadtbücherei hin: „Wir müssen uns offen zeigen für alle Menschen und den Blick öffnen, wo die Reise hingehen könnte.“ Es gelte, WLAN und Internetgeräte für Besucher zur Verfügung zu stellen, aber auch die personelle Ausstattung zu überdenken und wenn möglich aufzustocken. Der Fraktionsvorsitzende von MDAL/Die Grünen fand es „erstaunlich, dass bisher mit den wenigen vorhandenen Mitarbeiterinnen so viele Aufgaben so erfolgreich bewältigt werden konnten“.

„Die Stadtbücherei ist ein Ort in zentraler Lage, wo Besucher willkommen sind, Menschen zusammen und zur Ruhe kommen können, die Konzeption ist am Puls der Zeit“, so Elisabeth Zenkers Eindruck. Falls der beantragte Zuschuss nicht bewilligt werde, sollte man „im Haushalt Gelder zusammenkratzen“, empfahl die SPD-Stadträtin.

Markus Blank fand die Konzeption zwar schlüssig, beauftragte jedoch die Stadtverwaltung, zu prüfen, ob nicht im gesamten Gebäude ein neuer Bodenbelag verlegt werden könnte. Zudem erkundigte er sich, ob und was alles am Gebäude getan werden müsste. Der UL-Stadtrat forderte weiter, zu prüfen, ob es eine Möglichkeit gäbe, bei der Erneuerung des Bodenbelags auch gleich einen neuen Wasser- und Abwasseranschluss für das geplante Lesecafé zu installieren. „Es gibt in der Tat viel zu tun am Gebäude“, räumte Bürgermeister Mößner ein. Aber: „Wir könnten dafür einen sechsstelligen Betrag ausgeben, sodass sich die Frage stellt, ob die Konzeption dann noch komplett umsetzbar ist.“ Auch habe man noch nicht entschieden, wie die Erneuerung des Bodenbelags konkret umgesetzt wird.

„Der große Wurf der Konzeption ist zum Papiertiger geworden“, kritisierte Ralf Nentwich. Die nun geplanten Maßnahmen und Anschaffungen „sind das unterste Minimum, das man überhaupt für die Stadtbücherei aufbringen kann“. Stattdessen sollte man „in die Vollen gehen“, die Konzeption nochmals erweitern, sich weitere Zukunftsgedanken machen und noch mehr Fördertöpfe anzapfen. Überdies fand der MDAL/Die Grünen-Stadtrat, die Stadt solle überlegen, ob es nicht jemand zusätzlichen bedürfe, der sich ganz gezielt um das Sondieren von Fördertöpfen kümmern könne.

„Wir haben gute Fördermittelmanager in der Stadtverwaltung, setzen uns dafür ein und sind gut unterwegs, wenn man sich die Förderquote anschaut“, konterte der Rathauschef. Er erinnerte daran, dass die Walterichstadt eine finanzschwache Sockelgarantiegemeinde ist. Dies bedeutet: Da deren Steuerkraft bei Weitem nicht ausreicht, um den Investitionsbedarf zu decken, erhält sie Mehrzuweisungen, um den Fehlbetrag vollständig auszugleichen. „Wir versuchen, die Stadtbücherei weiterzuentwickeln, aber mit Maß und Ziel“, stellte Mößner klar. In den kommenden Jahren stünden überdies viele große Investitionen an, und im Zuge der Coronapandemie seien die finanziellen Spielräume deutlich kleiner geworden. Darum werde man auch die Sanierung des Stadtbüchereigebäudes separat planen, kündigte der Bürgermeister an.

„Gerade jetzt müssen wir schauen, das Wünschenswerte vom Machbaren zu trennen“, mahnte Georg Devrikis (CDU-FWV). Daraufhin gab das Stadtparlament geschlossen grünes Licht für die ausgearbeitete Konzeption zur Weiterentwicklung der Stadtbücherei. Danach werden die Umgestaltungs- und Umbaupläne nur umgesetzt, wenn der beantragte Bundeszuschuss von 25000 Euro ausbezahlt wird. Dann wird auch die Kofinanzierung von 8300 Euro durch die Stadt aus Mitteln des Ergebnis- und Finanzhaushalts der Stadtbücherei bereitgestellt.

Ein wichtiges Element der Umgestaltung ist, innerhalb der Stadtbücherei mehr Platz für verschiedene Aktionen zu schaffen – sei es wie hier für eine Ausstellung rund um Fluchtursachen, sei es für Angebote beispielsweise der Schreibwerkstatt. Damit diese Flexibilität künftig möglich ist, müssen auch beim Mobiliar und bei der Einrichtung ein paar Dinge geändert werden. Archivfotos: J. Fiedler

© Jörg Fiedler

Ein wichtiges Element der Umgestaltung ist, innerhalb der Stadtbücherei mehr Platz für verschiedene Aktionen zu schaffen – sei es wie hier für eine Ausstellung rund um Fluchtursachen, sei es für Angebote beispielsweise der Schreibwerkstatt. Damit diese Flexibilität künftig möglich ist, müssen auch beim Mobiliar und bei der Einrichtung ein paar Dinge geändert werden. Archivfotos: J. Fiedler

„Wir müssen auf die Digitalisierung reagieren und mehr Lese- und Aufenthaltszonen schaffen.“

Jutta Brasch,

Leiterin der Stadtbücherei

Ideen für Kinder und Erwachsene

Für Kinder, Schüler und Jugendliche sollen multifunktionale Bereiche gestaltet werden, wofür unter anderem mobile und variable Podeste für Gruppen- und Klassenführungen oder Aktionen der Schreibwerkstatt anzuschaffen sind.

Für Erwachsene soll ein Lesecafé an der Wand im Sachbuchbereich eingebaut und darin der Zeitschriftenbestand integriert werden. Dazu gilt es, sechs Zeitschriftentürme mit Rollen , Geräte wie Kaffeemaschine, Teekocher, Kühlschrank, Geschirr, zwei gemütliche Lesesessel sowie Bücherwagen anzuschaffen.

Für den neuen WLAN-Bereich in der Galerie über den Regalen, in denen die Romane stehen, sind Wandklapptische, ein dreiteiliger Satztisch sowie ebenfalls zwei gemütliche Lesesessel vorgesehen.

Die voraussichtlichen Gesamtkosten für die vorgeschlagenen Maßnahmen, Anschaffungen und Umgestaltungsarbeiten ermittelte man durch Kostenschätzungen oder konkrete Kostenvoranschläge: Sie belaufen sich auf 23208 Euro. Hinzu kommt die teilweise Erneuerung des Bodenbelags in den neu gestalteten Bereichen für 10125 Euro.

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Erstellt:
2. Juli 2020, 06:00 Uhr

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