Rente und Pension im Vergleich

Rentner vs. Pensionäre: Warum es zwei Altersversorgungen gibt

Warum zahlen Beamte in Deutschland nicht in die Rentenkasse ein? Wird sich das in Zukunft ändern? Und was plant die Rentenkommission?  Erfahren Sie hier, wie das Versorgungssystem für Beamte und gesetzliche Rentensystem im Vergleich funktionieren.

Der eine malocht und hat weniger, der andere im Amtssessel und hat mehr: So einfach ist die Sache mit ente und Pension nun doch nicht. Die Systeme der Altersversorgung sind deutlich komplizierter.

© mago/Steinach

Der eine malocht und hat weniger, der andere im Amtssessel und hat mehr: So einfach ist die Sache mit ente und Pension nun doch nicht. Die Systeme der Altersversorgung sind deutlich komplizierter.

Von Markus Brauer

Bundesarbeitsministerin Bärbel Bas hat ihre Forderung nach einem gemeinsamen Rentensystem für alle - auch für Beamte, Ärzte und Anwälte - bekräftigt. „Wir brauchen ein gemeinsames Rentensystem, wenn man eine große Reform haben will“, so Bas. „Wenn alle einzahlen, dann hätten wir mehr im Topf und der Staat muss nicht so viel zuzahlen.“

Bereits im Frühjahr 2025 hatte die SPD-Chefin diesen Vorschlag gemacht und damit erhebliche Kritik vor allem bei der Union ausgelöst. Bas will das Rentenniveau für Arbeitnehmer bei 48 Prozent des Durchschnittslohns sichern und lehnt eine generelle Anhebung des Rentenalters ab.

Wann werden die Rentenreformvorschläge präsentiert?

Um die Rente zu sichern und langfristig bezahlbar zu halten, arbeitet derzeit eine Kommission der Bundesregierung an einem umfassenden Reformplan. Bis Ende Juni 2026 soll sie ihre Vorschläge vorlegen. Von den Vertretern der Koalitionsfraktionen und der Wissenschaft in dem Gremium ist bekannt, dass sie teils sehr unterschiedliche Reformvorstellungen haben.

Warum zahlen Beamte nicht in die Rentenkasse ein?

Beamte in Deutschland zahlen nicht in die gesetzliche Rentenversicherung ein, weil sie ein eigenes Versorgungssystem haben - die sogenannte Beamtenversorgung.

Dieses System basiert auf dem sogenannten Alimentationsprinzip, das Beamten im Ruhestand ein lebenslanges Ruhegehalt garantiert, das sich am letzten Grundgehalt und an der Dienstzeit orientiert.

Die Pensionen werden direkt aus den Haushaltsmitteln des Staates (Bund, Länder, Kommunen) gezahlt, nicht aus einem Kapitalstock oder durch Beiträge der Beamten selbst.

Was wäre, wenn Beamte in die Rentenkasse einzahlen würden?

Laut dem Alterssicherungsbericht der Bundesregierung vom Dezember 2024 beläuft sich die durchschnittliche gesetzliche Rente auf rund 1240 Euro brutto im Monat. Dem gegenüber steht eine durchschnittliche Bruttopension von rund 3240 Euro – also mehr als das Doppelte.

Doch es gibt wichtige Unterschiede:

  • Pensionen werden vollständig besteuert, gesetzliche Renten derzeit nur teilweise – Rentner profitieren zudem von höheren Steuerfreibeträgen.
  • Pensionäre zahlen ihre Krankenversicherungsbeiträge in der Regel selbst, erhalten dafür aber eine staatliche Beihilfe von rund 70 Prozent der Krankheitskosten. Bei Rentnern übernimmt die Rentenkasse die Hälfte des gesetzlichen Krankenkassenbeitrags.
  • Würden Beamte künftig in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen, entfiele ihre Pension. Sie erhielten stattdessen eine gesetzliche Rente. Das Institut der deutschen Wirtschaft schätzt, dass Beamte im Ruhestand im Schnitt rund 600 bis 800 Euro weniger zur Verfügung hätten als mit der heutigen Pension.
  • Auch für den Staat käme der Umbau teuer: Das IW Köln hat berechnet, dass eine Einbeziehung von Beamten allein den Bund jährlich bis zu 20 Milliarden Euro kosten würde, da er die Arbeitgeberbeiträge tragen müsste.

Was ist das Besondere am Beamtentum?

  • Aktive Beamte: Zwar sind aktive Beamte oft günstiger als Angestellte, doch verursachen sie hohe Personalkosten für Bund, Länder und Kommunen. Für den Staat arbeiten rund 1,8 Millionen Beamte (inklusive Richter). Nach Angaben des Statistischen Bundesamts in Wiesbaden sind das gut ein Drittel aller Beschäftigten im öffentlichen Dienst. Die meisten Beamten sind bei den Ländern und Kommunen tätig – etwa als Lehrer oder bei der Polizei. Der Bund beschäftigt rund 200.000 Staatsdiener – vor allem in den Bundesministerien und ihren nachgeordneten Behörden, wie dem Bundeskriminalamt (BKA) oder der Bundespolizei.
  • Status: Beamte sind keine Arbeitnehmer, weil sie gegenüber ihrem Dienstherrn, den staatlichen Behörden, in einem öffentlich-rechtlichen Dienst- und Treueverhältnis stehen. Dadurch haben sie Anspruch auf besondere Fürsorge seitens des Staates.
  • Sicherer Job: Nach einer in der Regel dreijährigen Probezeit können Beamte in der Regel nicht mehr gekündigt werden – außer bei schweren Verstößen wie etwa Straftaten.
  • Einkommen: Beamte erhalten regelmäßige Besoldungserhöhungen, die an das Dienstalter gekoppelt sind. Zuschläge gibt es für Verheiratete und Eltern.
  • Sozialabgaben: Weil Beamte nicht arbeitslos werden können, zahlen sie keine Beträge in die Arbeitslosen- und Rentenversicherung ein. Der Staat finanziert komplett ihre Pension.
  • Gesundheit: Beamte erhalten Beihilfe, die einen großen Teil der Behandlungskosten abdeckt. Für den Rest müssen sie sich privat versichern.

Was kostet das Beamtentum?

  • Langfristige Versorgungslasten: Deutschlands Beamte kosten den Staat jährlich hohe zweistellige bis dreistellige Milliardenbeträge. Insgesamt verschlingen Personal- und Versorgungskosten (inklusive aktiver Beamte) einen wesentlichen Teil der staatlichen Haushalte, wobei die langfristigen Versorgungslasten auf über 800 Milliarden Euro geschätzt werden.
  • Gesamtausgaben: Die gesamten Personalausgaben der öffentlichen Hand liegen bei mehr als 250 Milliarden Euro jährlich.
  • Besoldung (aktive Beamte): Die Personalausgaben des Bundes für aktive Beamte beliefen sich 2024 auf rund 43 Milliarden Euro.
  • Pensionen (Versorgungsausgaben): Die Versorgung für pensionierte Beamte, Richter und Berufssoldaten des Bundes lagen 2024 bei rund 7,4 Milliarden Euro. Rechnet man Kommunen und Länder sowie nachgeordnete Behörden hinzu, kommt man auf einen Betrag von 54,8 Milliarden Euro (Stand: 2023).
  • Steigende Kosten: Wegen der demografischen Entwicklung dürften die Kosten für Beamtenpensionen in den kommenden Jahren und Jahrzehnten weiter deutlich steigen. Die Kosten werden aus Steuergeldern finanziert, und die Pensionslasten stellen eine erhebliche finanzielle Herausforderung für zukünftige Haushalte dar.

Wie steht es um die Alterseinkünfte von Rentnern?

  • Im Ruhestand hat jeder Rentner Fünfte in Deutschland höchstens 1400 Euro netto im Monat zur Verfügung.
  • Ein weiteres Fünftel der Ruheständler über 65 Jahren verfügt über monatlich 1400 Euro bis 1790 Euro, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden mitteilt.
  • Die 20 Prozent der Älteren mit dem höchsten Einkommen haben monatlich mehr als rund 2870 Euro netto.
  • Das Einkommen von Rentnerhaushalten besteht überwiegend aus Alterseinkünften. Bei Haushalten, in denen ausschließlich Ruheständler lebten, machten Renten und Pensionen im Jahr 2024 durchschnittlich 92 Prozent des Einkommens aus.
  • Fünf Prozent waren Einnahmen aus Vermögen, zwei Prozent stammten aus Erwerbstätigkeit und ein Prozent aus Transferzahlungen wie etwa Grundsicherung im Alter.
  • Frauen hatten mit durchschnittlich 1720 Euro brutto um etwa ein Viertel geringere Alterseinkünfte als Männer mit rund 2320 Euro. Ein Grund ist demnach die geringere Erwerbstätigkeit von Frauen.
  • Zu den Alterseinkünften zählen Altersrenten und -pensionen, Hinterbliebenenrenten und -pensionen sowie Renten aus individueller privater Vorsorge.

Wie viele Rentner erhalten Grundsicherung?

  • Eine wachsende Zahl von Rentnern ist auf staatliche Unterstützung angewiesen. Knapp 739.000 Menschen erhielten zum Jahresende 2024 Grundsicherung im Alter. Das heißt, sie können ihren Lebensunterhalt nicht aus eigenem Einkommen oder Vermögen bestreiten.
  • Die Zahl der Betroffenen stieg 2024 im Vergleich zum Vorjahr um 7,1 Prozent und gegenüber 2020 um 31 Prozent. Ein Grund dafür ist laut Statistikbehörde die Zahl leistungsberechtigter Ukrainer.

Grundsicherung im Alter können alle Menschen beantragen, deren Einkünfte nicht ausreichen, um die Lebenshaltungskosten zu decken. Der Regelsatz entspricht dem der Grundsicherung. Betroffen sind vor allem Rentner, die angesichts der Preisexplosionen in die Altersarmut rutschen. Die Dunkelziffer ist dabei deutlich höher, da viele Betroffene aus Scham nicht zum Sozialamt gehen. (mit AFP-/dpa-Agenturmaterial)

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Erstellt:
16. Juni 2026, 13:12 Uhr
Aktualisiert:
16. Juni 2026, 15:31 Uhr

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