Straße von Hormus
Spritmangel erreicht Bali
Kilometerlange Schlangen vor Tankstellen in Asien, gestrichene Flüge und Engpässe bis nach Europa – die Folgen des Iran-Kriegs sind global.
© SONNY TUMBELAKA/afp
Auto- und Motorradfahrer auf Bali stehen Schlange für Sprit.
Von Michael Maier
Was Urlaubern und Einheimischen auf Bali normalerweise beschert ist – endlose Reisfelder, Tempelsilhouetten im Sonnenuntergang und der Duft von Räucherstäbchen – wurde in dieser Woche durch ein ungewöhnliches Bild ergänzt: kilometerlange Schlangen von Motorrädern und Autos vor den Tankstellen der Insel. Bali steckt in einer handfesten Kraftstoffkrise. Und es ist kein Zufall, dass das gerade jetzt passiert.
Um zu verstehen, was in Bali gerade passiert, muss man den Blick auf den Persischen Golf richten, wo sich die Krise um die Straße von Hormus wieder zuspitzt. Die Internationale Energiebehörde (IEA) bezeichnet die daraus resultierende Lage als die „größte Versorgungsunterbrechung in der Geschichte des globalen Ölmarkts".
Hormus lässt Kerosinpreis explodieren
Die Folgen spüren wir schon seit Februar unmittelbar: Der Kerosinpreis in Europa verdoppelte sich schnell innerhalb weniger Wochen. Die IATA prognostizierte einen durchschnittlichen Jahrespreis von 152 US-Dollar pro Barrel für 2026 – rund 70 Prozent über dem Niveau von 2025. Der Schiffsverkehr durch Hormus bleibt unter dem Vorkriegsniveau und ist zuletzt wieder gesunken. Die Lieferketten haben sich zum Teil festgefressen. In dieser bereits angespannten Weltlage kommt jedes lokale Logistikproblem mit ungleich härterer Wucht daher.
Lokaler Kerosinmangel in Frankfurt
Auch am Frankfurter Flughafen spitzte sich die Lage zuletzt zu. Interne Mitteilungen der Lufthansa wurden publik: Die Kerosinreserven am größten deutschen Drehkreuz seien vorübergehend angespannt – verursacht durch anhaltend niedrige Wasserstände auf Rhein und Main sowie gleichzeitige Wartungsarbeiten an einer zentralen Versorgungsleitung. Die Lufthansa reagierte mit ungewöhnlichen Maßnahmen: Piloten wurden angewiesen, ihre Maschinen an Zielflughäfen vollzutanken, um die Betankung in Frankfurt zu minimieren. Ryanair und easyJet haben bereits tausende Winterflüge gestrichen, weil sich bei Kerosinpreisen von bis zu 196 US-Dollar pro Barrel viele Verbindungen schlicht nicht mehr rechnen.
Rationierung in Asien
Eine Rationierung von Kraftstoff-Importen gibt es auch in einigen asiatischen Ländern. Ägypten hatte im Frühjahr sogar einen abendlichen „Energie-Lockdown“ verhängt, touristische Zentren und die Hauptstadt aber davon ausgenommen. Es sind vor allem ärmere Länder, die unter dem Krieg zwischen den USA und dem Iran zu leiden haben.
Spritmangel auf Bali: „No fuel available“
Seit Sonntag, dem 12. Oktober 2026, kämpfen Bewohner in Denpasar und im südlichen Badung – darunter Tourismushochburgen wie Kuta – darum, ihre Fahrzeuge aufzutanken. Betroffen sind vor allem die staatlich subventionierten Kraftstoffe Pertalite und Pertamax, die von Indonesiens Staatskonzern Pertamina vertrieben werden. An vielen Zapfsäulen hingen schlicht Schilder: „Sorry, no fuel available." Sicherheitskräfte, darunter auch Soldaten, wurden eingesetzt, um die Menschenmengen unter Kontrolle zu halten.
Die Behörden betonen, dass es sich um eine hausgemachte Verteilungskrise handle. Laode Sulaeman, Generaldirektor für Öl und Gas im indonesischen Energieministerium, fasste es knapp zusammen: „Das ist ein reines Verteilungsproblem. Ein Tankschiff wurde aufgehalten, aber es ist inzwischen eingetroffen, und seit gestern laufen 24-Stunden-Lieferungen."
Panikkäufe mit Chaos auf Bali
Es trafen offenbar mehrere Faktoren zusammen: Ein Tankschiff hatte beim Anlegemanöver ein Ankerproblem und konnte seine Ladung nicht rechtzeitig löschen. Gleichzeitig bremste rauer Seegang die Lieferungen an die Terminals in Denpasar und im Osten Balis. Als sich Gerüchte über Nachschubprobleme verbreiteten, setzten panikartige Hortungskäufe ein, die die Situation weiter eskalieren ließen. Es war nicht das erste Mal: Bereits Ende August 2026 hatten ähnliche Versorgungsunterbrechungen zu langen Schlangen geführt.
„Die Engpässe kommen zu einem Zeitpunkt, an dem das Land vor weitreichenden Herausforderungen bei der Sicherung von Kraftstoff-Importen steht – infolge von Störungen globaler Schifffahrtsrouten, die mit den Spannungen im Nahen Osten zusammenhängen", schreibt die Nachrichtenagentur AP.
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Auf Bali fehlt Sprit.
