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Telemedizin ist Teil des neuen Konzepts

Nach Ausscheiden der Polizei als Mieter galt es, die Planungen für den Neubau des Erich-Schumm-Stifts zu überarbeiten

Lange Zeit hat man nichts mehr vom Neubauprojekt der Erich-Schumm-Stiftung gehört. Die Planungen haben sich immer wieder verzögert, wofür es unterschiedliche Gründe gab. Ein Knackpunkt war, dass die Polizei als möglicher Partner aus dem Projekt des Pflegeheims ausgestiegen ist. Mittlerweile ist aber die neue Konzeption für das Haus mit rund 90 Pflegeplätzen schon in den meisten Punkten gereift.

So sieht der geplante Neubau als Entwurf aus. Der Standort ist auf dem Grundstück an der Fornsbacher Straße schräg gegenüber dem heutigen Pflegeheim. Foto: Erich-Schumm-Stiftung

So sieht der geplante Neubau als Entwurf aus. Der Standort ist auf dem Grundstück an der Fornsbacher Straße schräg gegenüber dem heutigen Pflegeheim. Foto: Erich-Schumm-Stiftung

Von Christine Schick

MURRHARDT. Die ursprüngliche Planung hatte für Rolf Barreuther, Vorstandsvorsitzender der Erich-Schumm-Stiftung, einfach einen gewissen Charme: Der Polizeiposten Murrhardt sollte sein Nachbargebäude, das ehemalige Eichamt (erbaut 1924), aufgeben, als Mieter ins Erdgeschoss des Neubaus einziehen und dort einen großen separaten Bereich erhalten. „Der Sicherheitsgedanke spielt für ältere Menschen schon eine wichtige Rolle“, sagt er. Zudem habe man auf das langfristige Mietverhältnis sprichwörtlich gebaut beziehungsweise die Konzeption mit auf diesen Mieter ausgerichtet.

Insofern kann Rolf Barreuther nicht ganz verbergen, dass der Ausstieg der Polizei nach jahrelanger Detailplanung und dem Entschluss, den jetzigen Posten zu sanieren, für das Projekt eine echte Herausforderung war. „Es hieß, bei der Gesamtkonzeption noch mal ganz neu anzusetzen und zu überlegen, was zu den bisherigen Plänen passt.“ Dabei knüpft das Erich-Schumm-Stift an seinem Projekt CoCare an, das eine haus- und fachärztliche Versorgung vor Ort verbessern und dadurch belastende Transporte sowie Krankenhausaufenthalte reduzieren will (wir berichteten). So ist nun die Überlegung, im Erdgeschoss einen Praxisbereich einzurichten, in der eine telemedizinische Facharztbegleitung möglich werden soll, erläutert der Vorstandsvorsitzende. Betreuer und Brückenbauer sollen die jeweiligen Hausärzte sein, die schon jetzt über das aktuelle Projekt Erfahrungen in dem Bereich sammeln. Dies ließe sich für weitere Kunden öffnen, sodass auch Menschen von außerhalb die Versorgung nutzen könnten. Barreuther hofft, dass mithilfe der Telemedizin auch die Vorsorge im Sinne der Prävention wieder stärker in den Fokus rückt.

Nichtsdestotrotz muss das Heim mit der Situation zurechtkommen, mit der die Pflege insgesamt konfrontiert ist, nämlich, dass die Menschen sehr viel später in die Einrichtungen kommen und kränker sind. Auch das ist ein Hintergrund für die Überlegungen.

Weitere Bausteine sind eine stundenweise Beratung durch das Team des Pflegestützpunkts im Erdgeschoss des Komplexes sowie die Tagespflege als ambulantes Betreuungsangebot, die dort einziehen wird. Ein zusätzliches Element könnte sein, im Erdgeschoss eine Kurzzeitversorgung einzuführen. Für dieses Teilkonzept müssen allerdings noch gesetzliche Hürden genommen werden, vorstellen könnte sich Rolf Barreuther eine Art Erprobungsphase.

Beim Kernbereich hat sich wenig geändert: Die 90 Pflegeplätze werden auf drei Etagen mit je 30 Einzelzimmern untergebracht. In den Zuschnitt des Stockwerks sind viele Überlegungen eingeflossen. Auf der Etage liegt ein größerer Gemeinschaftsbereich im Zentrum, den man gleich zu Anfang betritt und in dem auch das Pflegepersonal einen sehr guten Rundumblick hat. Denkbar sind gemeinsame Aktivitäten wie Gymnastik, erleichtert werden sollen genauso alltägliche Begegnungen – zwei Küchenbereiche sind ebenfalls integriert. Die rund 24 Quadratmeter großen Einzelzimmer sind so geschnitten, dass auch Bewohner im Elektrorollstuhl entsprechende Bewegungsmöglichkeiten haben – inklusive des Bads. Als nicht ganz so einfach gestaltet hat sich der Wunsch, die Zimmer mit fast bodentiefen Fenstern auszustatten. Ein Sockel sollte vorhanden sein, da eine bis ganz unten freie Sichtfläche für an Demenz erkrankte Menschen problematisch sein kann.

Der Blick aus dem Fenster

bedeutet, etwas vom städtischen

Leben mitzubekommen

Aber nach der Erfahrung von Pflegekräften und Stiftungsteam ist der gute und weite Blick nach draußen für die Bewohner einfach wichtig. „Auch hier im Haus Emma sitzen die meisten direkt am Fenster. Sie wollen was vom Leben mitbekommen, schauen, wer gerade gegenüber einkaufen geht. Auch der Blick auf die Straße gehört dazu“, sagt Rolf Barreuther. Doch die Nähe zur Landesstraße1066 und der Gewerbegebietscharakter ließen Lärmschutzvorschriften auf den Plan treten. Die Fenster in dieser Form hielten aus Behördensicht nicht Stand, die Alternativen waren, das gesamte Gebäude zu verrücken, eine Glasfassade vor die Hausfront zu setzen oder mit geschlossenen Fenstern zu arbeiten, was wiederum ein neues Be- und Entlüftungskonzept wie eine Klimaanlage nötig gemacht und die Kosten in die Höhe getrieben hätte. Die Planer haben eine Lösung gefunden – eine Kombination aus einem geschlossenen Fenster und einem mit zusätzlicher Prallschutzscheibe, das sich öffnen lässt.

Ebenso bei den Anforderungen für die Gründung des Gebäudes galt es, einen guten Weg mit Blick auf gesetzliche Vorschriften und Kosten zu finden. Die letzten beiden Punkte haben auch zur Verzögerung beigetragen. Rolf Barreuther gibt in diesem Zusammenhang zu bedenken, dass Hürden durch Vorschriften nicht zu groß werden dürfen. Denn sie schlagen sich in den Baukosten und damit auch in höheren Pflegesätzen nieder. „Das ist letztlich auch eine Zukunftsaufgabe der Politik“, sagt der Vorstandsvorsitzende. Es gelte, die Bedingungen dafür zu schaffen, dass das Pflegesystem für die Menschen bezahlbar bleibe. Das Gebäude schließt im obersten Stockwerk mit sechs Penthousewohnungen ab, zu denen es auch einen separaten Zugang gibt.

Das Neubauprojekt der Erich-Schumm-Stiftung ist im Moment mit Investitionen von rund zwölf Millionen Euro veranschlagt, wie Rolf Barreuther erläutert. Das führt zu einer weiteren künftigen Baustelle – dem heutigen Pflegeheimgebäude. Dort sollen nach dem Umzug des Pflegeheims in den oberen Stockwerken zur Finanzierung barrierefreie (Eigentums-)Wohnungen entstehen. Insofern ist ein wesentlicher Baustein die Ablösung des Erbaurechts für den Grund, auf dem es sich befindet und der der Stadt gehört. Nach fast vierjährigen Verhandlungen ist ein Vertragsabschluss aber noch nicht erfolgt.

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Erstellt:
12. September 2019, 06:00 Uhr

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