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Wandel eröffnet neue Experimentierfelder

Die Stadtbücherei Murrhardt hält klassischerweise Romane und Sachliteratur bereit. Genauso sieht sich das Team aber auch als Vermittler in puncto Neue Medien. Letztlich geht es darum, Inhalte auf verschiedene Arten und abwechslungsreich zu präsentieren.

Jutta Brasch, Leiterin der Stadtbücherei (links), und Silke Peter, die für die Kinder- und Jugendarbeit verantwortlich zeichnet, haben neben den klassischen Geschichten und Sachthemen zwischen zwei Buchdeckeln auch die Chancen der Neuen Medien im Blick. Bei ihnen sind die Grenzen verschiedener Formen oft fließender und sie bieten spielerische Möglichkeiten. Foto: J. Fiedler

© Jörg Fiedler

Jutta Brasch, Leiterin der Stadtbücherei (links), und Silke Peter, die für die Kinder- und Jugendarbeit verantwortlich zeichnet, haben neben den klassischen Geschichten und Sachthemen zwischen zwei Buchdeckeln auch die Chancen der Neuen Medien im Blick. Bei ihnen sind die Grenzen verschiedener Formen oft fließender und sie bieten spielerische Möglichkeiten. Foto: J. Fiedler

Von Christine Schick

MURRHARDT. Homeoffice, E-Book, Zeitschriftenabruf übers Internet – in Zeiten der Pandemie hat sich der digitale Zugang zu Kommunikation und Information als wertvoll erwiesen. Das hat sich für die Stadtbücherei nicht zuletzt in einem deutlichen Zuwachs bei der Nutzung der Onleihe, die im Verbund mit weiteren Partnerbüchereien im Rems-Murr-Kreis angeboten werden kann, gezeigt. Der stärkste Anstieg war nach dem Lockdown im April mit 743 ausgeliehenen Medien, in der Regel E-Book und -Hörbuch, im Vergleich zum Januar mit 425 Stück zu verzeichnen. Die Nutzerzahlen sind ebenso von 62 auf 86 Personen (Januar und April) angewachsen. Auch wenn die Werte nicht ganz auf diesem Niveau blieben, ist anzunehmen, dass sie im November wieder angezogen haben. Ein vergleichbarer Trend lässt sich kreisweit feststellen.

Anders als im Frühjahr hat die Stadtbücherei Murrhardt nun weiterhin geöffnet, kann ihre Kunden mit entsprechendem Hygienekonzept empfangen. Insofern hat das Team die Möglichkeit, so gut wie das komplette Portfolio zum Ausleihen anzubieten. Neben den Klassikern wie Romanen, Sach- und Hörbüchern sowie Zeitschriften sind das auch besagte Neue Medien. Sie bieten Überschneidungen, Kombinationen und, wenn man so will, auch Spielarten der bisherigen Formen. „Wir sehen unsere Aufgabe als Stadtbücherei auch darin, ausgewählte Neue Medien zum Ausleihen anzubieten, damit Familien und Einzelne die verschiedenen Formen kennenlernen und ausprobieren können. Manches ist nicht ganz so billig“, sagt Jutta Brasch, Leiterin der Stadtbücherei, und so hätten auch Nutzer diese Möglichkeit, die sich das vielleicht nicht ohne Weiteres leisten könnten. Noch relativ neu und in dieser Hinsicht auch stark nachgefragt sind die sogenannten Tonieboxen, die die Stadtbücherei seit vergangenem Jahr im Programm hat. Die mit Stoff bezogenen Hörspielwürfel funktionieren mit einer spezifischen Art von Schlüssel: Silke Peter zeigt die Figur eines als Wachtmeister verkleideten Räuber Hotzenplotz, setzt sie auf das markierte Feld der Box und die fängt an zu erzählen. Die Bücherei verfügt über rund 100 weitere Protagonisten wie Bibi Blocksberg, der kleine Eisbär oder der kleine, großohrige Star der „Sendung mit der Maus“. Auch die Boxen selbst gibt es zum Ausleihen, und damit ebenso Familien ohne Internetzugang in den Genuss der Hörspiele kommen können, hat das Team die Geschichten komplett aufgespielt.

Die Bedienung erschließt sich auch jüngeren Kindern schnell: Mit dem großen Ohr wird an- und ausgestellt, das kleine reguliert die Lautstärke, mit leichtem Kippen der Box lässt sich vor- und zurückspulen und ein leichter Klaps an die Seitenwand bringt einen zum nächsten beziehungsweise vorherigen Kapitel des Hörbuchs. Durch die Bandbreite der auf der Plattform verfügbaren Geschichten, Lieder und Sachstücke können unterschiedlich alte Höhrer angesprochen werden – die Spanne reicht etwa von zwei Jahren bis hin zu Jugendlichen, die beispielsweise Storys der „Drei Ausrufezeichen“ oder „Fünf Freunde“ erzählt bekommen wollen. Es ist geplant, einige weitere Boxen sowie Figuren, sprich Hörmedien, anzuschaffen. Die Stärke des Systems sieht Silke Peter in der unkomplizierten Bedienung, den kleinen Botschaftern zum Anfassen und dem haptischen Erleben. „Ich glaube, dass die Kinder mit den Figuren auch über das Hörbuch hinaus spielen“, sagt sie.

Schon etwas länger zur Verfügung hat das Team eine noch stärker individuell abrufbare Form des Sich-vorlesen-Lassens – über das Abtasten mit dem Tiptoistift. Die zugehörigen Kinder- und Jugendbücher enthalten neben der reinen Textebene je nach Thema zusätzliche Angebote wie beispielsweise Rätsel oder weitere Exkurse zu Infopaketen. „Das kann das Vorlesen in dieser intimen gemeinsamen Form mit den Eltern nicht ersetzen und soll es natürlich auch nicht, aber die Kinder können hier beispielsweise ein Thema selbstständig vertiefen“, sagt Silke Peter. Da es Medien gibt, die auch für das Budget einer Stadtbücherei relativ kostenintensiv in der Anschaffung sind wie komplexere Spiele für Konsolen, vollzieht sie auch hier den Schulterschluss mit anderen Büchereien im Kreis. Fünf Partner können so fünfmal so viele Exemplare anbieten, indem sie diese im Verbund weiterwandern lassen.

Kinder können beim Abrufen der Texte Themen selbst vertiefen.

Um Kindern und Jugendlichen die verschiedenen – klassische und Neue – Medien auch noch mal spielerisch im Überblick und als Gesamtpaket nahezubringen, wird Silke Peter künftig Führungen mit Rallyes ergänzen. Dazu nutzt sie eine App, über die sie diese interaktiven Entdeckungsreisen als digitale Schatzsuche und mobile Rätseltour selbst gestalten kann. Für die 5. Klasse hat sie nun eine Märchenrallye zusammengestellt. „Im Moment können wir das nicht einsetzen, weil die Schulen zurzeit keine Außentermine machen dürfen.“ Ist dies wieder möglich, so sind die Mädchen und Jungen aufgerufen, sich in Kleingruppen auf den Tablets der Stadtbücherei anzumelden und sich durch die Angebote zu arbeiten. Mal geht es um die Einordnung der märchenhaften Inhalte, mal darum, Detailfragen aus Büchern zu beantworten, außerdem gibt es thematische Rätsel beispielsweise in einer Wortsuche oder kleine Wettbewerbe wie Erbsenzählen oder so viele Märchen wie möglich aufzulisten. Dass bei den Antworten auch die korrekte Schreibweise zählt, könnte man als zusätzlichen Ansporn werten. „Die Rallyes sind mit den Schulen abgestimmt, die Kinder hatten dann in der Regel beispielsweise gerade Märchen im Unterricht“, erläutert Silke Peter, die für die Kinder- und Jugendarbeit verantwortlich zeichnet. Für Drittklässler wird sie sich demnächst an eine Gedichterallye machen. Sollte eine Klasse die Schnitzeljagd aber lieber mit Papier und Stift angehen, hat das Team entsprechende Varianten in der Hinterhand.

Als weitere Spielart hatte Mitarbeiterin Heike Kronmüller für die Sommerferien angeregt, doch ein Quiz zum 40. Geburtstag von Bibi Blocksberg zusammenzustellen. Unterstützung hat sie von Praktikantin Sandra Kugler bekommen. So entstand für die jüngeren Teilnehmer ein Fehlersuchbild, das sie auch ausmalen konnten, sowie ein Fragenkatalog für die älteren, bei dem ebenfalls verschiedene Medien mit einbezogen waren. Über 70 Kinder und Jugendliche haben mitgemacht.

Die Rückmeldungen und Erfahrungen zeigen dem Team, dass es letztlich darum geht, immer wieder neue Vermittlungsformen und mediale Experimentierfelder zu finden. Das macht die Klassiker nicht obsolet, bietet aber die Chance, die Inhalte so abwechslungsreich wie möglich an die Leser zu bringen.

Infos zu den Öffnungszeiten der Stadt- bücherei finden sich auf der Homepage der Stadt unter www.murrhardt.de und die Internetadresse www.onleihe.de/rems-murr führt durch das digitale Ausleihangebot.

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Erstellt:
13. November 2020, 06:00 Uhr

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