Zwischenfall auf See

Warnschüsse im Ärmelkanal: Rentnerpaar widerspricht Moskau

Ein Vorfall auf See zwischen einer russischen Fregatte und einer britischen Segeljacht führt zu Spekulationen. Nun meldet sich die Besatzung des kleineren Schiffs zu Wort.

Ein Ehepaar, deren Jacht die Warnschüsse galten, widerspricht der russischen Darstellung des Vorfalls. (Archivfoto)

© Mod Crown Copyright/Ministry of Defence/PA Wire/dpa

Ein Ehepaar, deren Jacht die Warnschüsse galten, widerspricht der russischen Darstellung des Vorfalls. (Archivfoto)

Von dpa

London/Moskau - Der Vorfall im Ärmelkanal, bei dem eine russische Fregatte Warnschüsse abfeuerte, gibt weiter Rätsel auf. Ein britisches Rentnerpaar, deren Jacht die Schüsse galten, hat inzwischen der Darstellung Moskaus zum Hergang widersprochen. 

Demnach reagierten die von England nach Frankreich segelnden Rentner sofort auf Warnungen per Schiffshorn, als sie sich dem Kriegsschiff auf etwa 500 Meter näherten. Die Warnungen seien in kurzer Abfolge erfolgt, unmittelbar von Schüssen aus Handfeuerwaffen, sagte Skipperin Jane Kelvey der BBC. Die Schüsse seien "vollkommen unnötig" gewesen, so die 68 Jahre alte Rentnerin. Sie fügte hinzu: "Es ist einfach nicht wahr, sie machen uns verantwortlich, aber in unseren Augen haben wir nichts falsch gemacht."

Britisches Außenamt folgt russischer Darstellung

Aus Moskau hatte es geheißen, die Jacht habe auf mehrere Kontaktversuche nicht reagiert und die Distanz immer weiter verringert. Bei einer Entfernung von 150 Metern habe der Kapitän der Fregatte dann den Befehl zum Eröffnen der Warnschüsse gegeben. "Die Besatzung der Fregatte "Admiral Grigorowitsch" hat in strenger Übereinkunft mit den international geltenden Schifffahrtsregeln gehandelt und alles getan, um den Vorfall zu verhindern", betonte das Ministerium in Moskau.

Das britische Außenministerium trat Spekulationen entgegen, es könne sich um eine Vergeltungsaktion für das Stoppen des Öltankers "Smyrtos" handeln, der Russlands Schattenflotte zugerechnet wird. Die britische Marine hatte das Schiff vor einigen Tagen aufgebracht. 

Die Schüsse seien nicht auf die Jacht gerichtet gewesen, sondern der Versuch, einen möglichen Zusammenstoß zu verhindern, zitierte die Nachrichtenagentur PA einen Sprecher des britischen Verteidigungsministeriums. Man gehe von einem Einzelfall aus, der nicht mit dem Aufbringen der "Smyrtos" in Verbindung stehe.

Das hinderte britische Medien nicht daran, über eine kalkulierte Provokation Moskaus zu spekulieren. Experten zufolge soll die Präsenz russischer Kriegsschiffe von einem Vorgehen gegen die Schattenflotte abschrecken.

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Erstellt:
17. Juni 2026, 09:40 Uhr

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