Charmantes Besetzungswechselspiel

Stehende Ovationen für das Karlsruher Ladies Classic Quartett bei seinem ersten Konzert in Murrhardt

Haben das Murrhardter Publikum überzeugt (von links): Zane Stradyna (Klavier), Eva-Maria Vischi (Violine), Bettina Kerth (Gesang) und Birke Falkenroth (Harfe). Foto: E. Klaper

Von Elisabeth Klaper

MURRHARDT. Einen zauberhaften Frühlingsabend mit einem facettenreichen Reigen meist bekannter, klangschöner Melodien aus Oper und Operette, aber auch Instrumentalwerke verschiedener Stile bescherte das Ladies Classic Quartett zahlreichen Musikfreunden.

Mit viel Charme, voller Hingabe und detailgenau aufeinander abgestimmten, teils attraktiven neuartigen Interpretationen versetzten die aus Karlsruhe angereisten Künstlerinnen bei ihrer Konzertpremiere in der Walterichstadt die Zuhörer in Begeisterung. Ihr stimmig zusammengestelltes Programm umfasste Werke von der Romantik bis zur Moderne. Harfenistin Birke Falkenroth, Violinistin Eva-Maria Vischi, die aus Lettland stammende Konzertpianistin Zane Stradyna sowie (Mezzo-)Sopranistin und Gesangspädagogin Bettina Kerth kombinierten ihre Instrumente und die Gesangsstimme in einem attraktiven kammermusikalischen Wechselspiel der Besetzungen immer wieder anders, wofür sie auch selbst einige Arrangements kreiert hatten.

Besonders die grazile Violinistin Eva-Maria Vischi faszinierte das Publikum im Heinrich-von-Zügel-Saal. Scheinbar spielerisch leicht, voller Spielfreude und mit viel Schwung zeigte sie ihre Spitzenklasse in hoch virtuosen Kompositionen, die vor kniffligen Figurationen und kunstvollen Klang-Effekten nur so wimmelten. So Pablo de Sarasates temperamentvoll-verspielte „Zigeunerweisen“ oder drei schnelle, rhythmisch feurige Sätze aus Béla Bartóks Rumänischen Tänzen, wobei die Harfenistin sie begleitete. Bezaubernd schön gestaltete Vischi gemeinsam mit Zane Stradyna und Birke Falkenroth die idyllische Impression „Der Schwan“ aus dem „Karneval der Tiere“ von Camille Saint-Saëns. Ebenso ein beschwingtes, stimmungsvolles Walzer-Potpourri aus „Der Rosenkavalier“ von Richard Strauss.

Große Hörgenüsse waren einige solistische Darbietungen. Wunderbar ätherisch und filigran gestaltete Harfenistin Birke Falkenroth, die die Instrumentalstücke moderierte, „Au matin“. In dieser Konzertetüde beschrieb der französische Harfenist Marcel Tourier die verschiedenen Aspekte der Morgenstimmung in einer vielschichtigen, atmosphärischen Impression. Seit einem Jahr ist Pianistin Zane Stradyna Teil des Quartetts. Sie beeindruckte mit ihrem emotionalen, fast orchestralen Vortrag von Franz Liszts sehnsuchtsvoll-verträumtem „Liebestraum“ und Nikolai Rimski-Korsakows „Hummelflug“ mit raffinierten klangmalerischen chromatischen Figuren.

Ein weiterer Höhepunkt des Konzerts war die „ultimative Fassung“ der Widmung aus dem Liederkreis „Myrthen“ von Robert Schumann und Franz Liszt, sprich das eigene Arrangement des Ladies Classic Quartetts. Darin brachten die vier Damen die charakteristischen melodischen und harmonischen Elemente der Romantik in vollendeter Schönheit zur Entfaltung. Opern- und Operettenfreunde kamen voll auf ihre Kosten bei beschwingt und harmonisch präsentierten Arien.

Dabei umrahmten die Musikerinnen die Sängerin Bettina Kerth ebenfalls in unterschiedlichen Besetzungen. Anfangs hatte Kerth, die die Gesangsstücke kurzweilig moderierte, mit gewissen Startschwierigkeiten zu kämpfen, lief aber im Verlauf des Programms zur Hochform auf. Einfach hinreißend bot sie mit viel Gefühl und ausdrucksstark Sylvas „Heia in den Bergen“ aus Emmerich Kálmáns „Csardasfürstin“ dar. Ebenso die Gesangspartien in einem reizvollen Potpourri aus Franz Lehárs Operette „Paganini“, in dem auch Violinistin Eva-Maria Vischi wieder mit herrlichen Kunststückchen brillierte.

Im Duett „Brindisi“ aus „La Traviata“ von Giuseppe Verdi ersetzte Bettina Kerth den Tenor souverän mit Frauenpower. Überzeugend gestaltete sie „Vissi d’arte“, die ergreifende Klage der Tosca aus Giacomo Puccinis gleichnamiger Oper. Ebenso die berühmte Habanera aus George Bizets „Carmen“.

Mit stehenden Ovationen, Bravo-Rufen und rhythmischem Beifall dankte das Murrhardter Publikum dem Ladies Classic Quartett und kam noch in den Genuss zweier Zugaben.