Keine Spätzle, aber Szegediner Gulasch

Rosely Schweizer erhält die Bürgermedaille der Stadt Murrhardt – Geehrte blickt mit Humor und Selbstironie auf ihr Leben zurück

Rosely Schweizer ist gestern die Bürgermedaille der Stadt Murrhardt verliehen worden. Als ein weiteres Glanzlicht im Jahr 2018 bezeichnete Bürgermeister Armin Mößner die Feierstunde zu Ehren der engagierten Bürgerin im Heinrich-von-Zügel-Saal der Murrhardter Stadtbücherei.

Bürgermeister Armin Mößner ehrt Rosely Schweizer für ihre herausragenden Verdienste. Foto: J. Fiedler

Von Carmen Warstat

MURRHARDT. Mößner gratulierte Schweizer gleich zu Beginn zu dieser Würdigung ihrer Lebensleistung und konstatierte: „Die vielen Gäste, die der Einladung gefolgt sind, bekunden mit ihrer Anwesenheit aufrichtige Anerkennung.“ Der Bürgermeister zitierte aus der Richtlinie zur Ehrung besonders verdienter Persönlichkeiten – diese gelte denjenigen, die „sich in herausragendem Maße Verdienste auf kommunalpolitischem, sozialem, kulturellem oder wirtschaftlichem Gebiet zum Wohl der Stadt Murrhardt und ihrer Bürgerinnen und Bürger erworben“ haben. Dass dies auf Rosely Schweizer uneingeschränkt zutrifft, verdeutlichten seine Ausführungen eindrucksvoll. Nach der namentlichen Begrüßung einer Reihe prominenter Persönlichkeiten und Institutionen nannte Mößner die bisherigen Träger der Bürgermedaille Maria Durchdenwald, Karl Stecher, Carl Obenland, Inge und Wilhelm Bofinger, Werner Wagner, Trude Schüle, Rolf Schweizer, Michèle Hartmann und Gudrun Gruber. „Der Staat muss danken können“, zitierte der Bürgermeister den einstigen Bundespräsidenten Theodor Heuss, der das Bundesverdienstkreuz 1951 stiftete. Dieses wurde Rosely Schweizer in Würdigung ihres vielfältigen Engagements bereits 2001 verliehen.

1940 als Tochter von Marlene und Rudolf-August Oetker geboren war der kleinen Rosely „das Unternehmertum quasi in die Wiege gelegt“. Es „war eigentlich nur konsequent, dass auch sie diesen Weg gegangen ist“, befand Mößner. Die Eltern trennten sich kurz nach ihrer Geburt, und das Kind verbrachte viel Zeit bei der Großmutter, die ebenfalls Unternehmerin war, in Rendsburg. Rosely machte das Abitur und entschied sich für ein Wirtschaftsstudium in Innsbruck, welches sie 1964 als Diplom-Volkswirtin abschloss. Der zuvor skeptische Vater wusste nun zu schätzen, dass er mit seiner Tochter fachlich diskutieren konnte und interessierte sich für die Meinungen der Jugend. Weiter ging der Bürgermeister auf Schweizers Ehe mit dem Murrhardter Folkart Schweizer ein, den sie 1962 während des Studiums kennengelernt hatte. Für Erheiterung im Saal sorgten anekdotische Berichte über die Zeit der Annäherung der beiden. Drei Kinder wurden dem Ehepaar geschenkt. Die heute 78-Jährige wollte arbeiten und gründete eine Textilreinigung in Sulzbach, in der sie nach eigenem Bekunden „viel gelernt und wenig verdient“ hat. Schließlich wollte sie sich auch aktiv ins Murrhardter Gemeinwesen einbringen.

Weitreichende Entwicklungen in Murrhardt hat sie vorangetrieben

Bis heute folgt die Geehrte der Überzeugung, dass man die Politik nicht nur kritisieren kann, sondern auch mitwirken muss. Ab 1984 gehörte sie dem Murrhardter Gemeinderat 22 Jahre lang ununterbrochen an und begleitete in dieser Zeit drei Bürgermeister: „engagiert, zupackend, zielstrebig.“ Weitreichende Entwicklungen in Murrhardt und dem Umland hat sie vorangetrieben. 1992 erwarb sie ein Mandat im Landtag von Baden-Württemberg, und blieb über die gesamte Zeit ihres dortigen Wirkens auch im Gemeinderat. Im Landtag war sie wirtschaftspolitische Sprecherin der CDU-Fraktion und später auch Landesverbandsvorsitzende des CDU-Wirtschaftsrats, wo sie sich als Unternehmerin „durch und durch fachkundig“ einbringen konnte. So gelangte Schweizer auch auf die Bundesebene und arbeitete dem Wirtschaftsministerium zwischen 1998 und 2006 zu. Der Murrhardter Bürgermeister Armin Mößner nannte eine Reihe der unzähligen Aufgaben der Geehrten als leidenschaftliche Unternehmerin und ging dann auf ihre Arbeit im sozialen Bereich ein. Hier ist die Vorstandschaft im Murrhardter Ortsverband des Deutschen Kinderschutzbunds hervorzuheben, die sie bereits seit über 42 Jahren innehat und mit Herzblut ausfüllt. Nicht zuletzt engagiert sich Schweizer nachdrücklich für die Förderung von Frauen in der Politik und anderswo, um „ihnen eine Stimme zu geben“. Etliche „Dinge und Projekte“, die hinzukommen, nannte Mößner und resümierte: „Aber das Leben und Wirken von Rosely Schweizer im Rahmen einer Feierstunde in der vollen Breite darzustellen, kann nicht gelingen.“ So wünschte er ihr denn „auch weiterhin alles Gute, eine gute Gesundheit zur weiteren aktiven Gestaltung ihrer persönlichen Lebensvorstellungen“ und überreichte die Bürgermedaille feierlich. Die so Geehrte gab zu, vor 60 Jahren nicht gewusst zu haben, „wo Murrhardt ist“. Als „Frau Schweizer“ aber sei ihr klar gewesen: Die Familie wohnt dort, wo das Unternehmen ist.“ Mit Humor und einer Prise Selbstironie blickte sie auf ihr bisheriges Leben und Wirken zurück und brachte die Gäste der Feierstunde nicht nur einmal zum Lachen. Gerade ihre Rolle als Nichtschwäbin in Murrhardt kommentierte sie mit Anekdoten und bekannte, noch immer keine Spätzle schaben zu können. „Aber mein Szegediner Gulasch ist sehr beliebt.“ Die engagierte Frau weiß, dass man sich in vieles einarbeiten und nahezu alles lernen kann. In diesem Sinne warb sie dafür, dass Frauen sich auch einmischen. Eindringlich machte Rosely Schweizer auf Kinder in Not aufmerksam und regte die Mitgliedschaft im Kinderschutzbund an.

„Murrhardt ist wirklich meine Heimat geworden“, sagte Schweizer, und: „So viel Lob macht verlegen, aber ich freu mich trotzdem.“ Die 78-Jährige dankte sowohl offiziellen Persönlichkeiten als auch den privat vertrauten Menschen in ihrem Umfeld. Ganz die umtriebige Frau, als die sie geehrt wurde, sagte Rosely Schweizer abschließend: „Zu tun gibt’s genug – das hält uns jung. Und vielen Dank an alle, die mithelfen!“