Schönheit, Leichtigkeit und Anmut

Papierobjekte und Lichtskulpturen von Simone Leister sind in der Galerie des Heimat- und Kunstvereins im Helferhaus zu sehen

Entführt in eine Welt filigraner Gebilde: Simone Leister und eines ihrer Objekte mit dem Titel „Herzblattsalat“ aus Papier, Leim, Acryl und Öl. Foto: P. Wolf

Von Carmen Warstat

BACKNANG. Die erste Ausstellung des Heimat- und Kunstvereins 2016 gewährt Einblicke in einen „Kosmos aus Papier, Licht und Farbe“, in eine Welt filigraner und luftig-leichter, heiterer und zugleich fragiler Objekte, die wie alle Kunst – und doch um einiges mehr – vom Licht leben, ja Licht sind. „Schmuckstücke“ nennt sie Ernst Hövelborn, „die auf so einfache Art schön sein wollen und es auch sind.“

In gewohnt tiefgründig-amüsanter Manier gibt der Vereinsvorsitzende seine Eindrücke und Gedanken zu Simone Leisters Werken wieder, und stellt das, was wir zuvor vielleicht einfach „nur“ schön fanden, in einen kunsthistorisch-philosophischen und sogar feministischen Kontext.

Als wären sie ihm selbst manchmal unheimlich, versucht Hövelborn, die Tiefen seiner Betrachtungen hin und wieder durch Selbstironie aufzuheben, was wiederum das interessierte Publikum erst recht für seine Herangehensweise einnimmt. „Mr hat a Freid dra!“ Mit diesen schwäbischen Worten fasst der Referent abschließend die Wirkung der Papierobjekte und Lichtskulpturen von Simone Leister zusammen, nicht ohne zuvor Goethe und Nietzsche, Franz von Assisi und Hegel, Homer und Judith Butler befragt und zitiert zu haben. In der Verwendung kunstferner Materialien wie Butterbrotpapier, Fäden und Schnüre, Kleister, auch „arme“ Materialien genannt, die in „geduldiger und einfühlsamer Handarbeit (...) als selbstbestimmte und authentische Formen zur Wirkung“ gebracht werden, erkennt Ernst Hövelborn Bezüge zur feministischen Gendertheorie. Denn Judith Butler habe die Frauen als ein Geschlecht erkannt, „das nicht eins, sondern vielfältig ist, ebenso auch als das Unbezeichenbare, das nicht in einer Sprache festgehalten wird, die auf Eindeutigkeit besteht“, gerade so, wie viele der Formen und Gebilde Simone Leisters „sich nicht stringent auf einen Nenner oder Stil bringen“ ließen. Im Übrigen bemerkte Hövelborn, dass gerade Künstlerinnen in großer Freiheit und kreativer Offenheit sich den kunstfernen Materialien zuwenden und Simone Leister „eben nicht nur auf vorgebahnten Wegen gestaltet, sondern aus ihrer eigenen weiblichen Lebensumwelt und Lebensumständen schöpft“.

Die Künstlerin wurde 1968 in Esslingen am Neckar geboren und lebt und arbeitet in Stuttgart. Auf die Ausstellung im Helferhaus hat sie sich intensiv vorbereitet: Sie fotografierte die Räumlichkeiten und plante die Anordnung ihrer Werke anhand von Grundrissen aufs Genaueste. Voller Begeisterung spricht sie von den Bedingungen im Helferhaus, wo ihre Objekte viel besser zur Geltung kommen als im vergleichsweise engen Atelier. Hier kann man sie aus verschiedenen Perspektiven ansehen und als wandelnder Betrachter zum Mitschöpfer momentaner Realität aus einem Gemisch von Materiellem und Immateriellem werden. Denn das Licht ist für uns nicht fassbar, mit jeder Bewegung aber wandeln oder erschaffen wir es in seinen Negationen, den Schatten.

Die Ausstellung ist bis 28. Februar geöffnet. Am 9. Februar bleibt das Helferhaus entgegen der üblichen Öffnungszeiten (dienstags bis freitags von 17 bis 19 sowie samstags und sonntags von 14 bis 19 Uhr) geschlossen. Der Eintritt zu der Werkschau ist frei.