Stabwechsel bei der Christengemeinschaft

Pfarrerin Bettina Glas kommt, Pfarrerin Ursula Hausen verabschiedet sich – Zeit für Begegnungen und Gespräche nutzen

Für die Christengemeinschaft Murrhardt steht ein Wechsel ins Haus: Pfarrerin Ursula Hausen gibt den Stab an ihre Kollegin Pfarrerin Bettina Glas weiter. Seit Mitte Dezember arbeitet sich die 50-Jährige in ihr künftiges Wirkungsfeld ein.

Pfarrerin Ursula Hausen und Bettina Glas (von links) vor der Michaelkirche, die im vergangenen Jahr ihr 50-jähriges Bestehen feierte. Foto: C. Schick

Von Christine Schick

MURRHARDT. Die Zeit von Weihnachten über Silvester bis hin zu den ersten Tagen im neuen Jahr ist eine wichtige, intensive, sagt Bettina Glas, gut sei, wenn man sie bewusst pflegt, sich Raum schafft, um die Impulse für ein neues Jahr aufzunehmen und ihnen nachzugehen. Ein Teil dieser Zeit ist auch für das erste Kennenlernen, Gespräche und Kontakte in ihrer neuen Gemeinde, der Christengemeinschaft Murrhardt, vorgesehen. Die Übergabe und Einführung von Pfarrerin Ursula Hausen läuft seit Mitte Dezember. Sie kam 2012 nach Murrhardt, um die Christengemeinschaft, die zu dieser Zeit eng mit dem Alters- und Pflegeheim auf dem Hohenstein verbunden war, zu betreuen. „Damals waren auch noch Pfarrer Karsten Schlooss und Siegfried Ostheim hier“, erzählt sie.

Die Insolvenz des Hauses der Christengemeinschaft 2014 brachte allerdings einschneidende Veränderungen mit sich. Eine längere Zeit war unklar, wie es weitergehen sollte – bis zur Übernahme des Hauses durch einen anderen Betreiber. In der Rückschau sagt Ursula Hausen, dass anfangs deshalb erst einmal eine Art Verarbeitung des Geschehens wichtig war, später ging es darum, sich als Gemeinschaft wieder zu formieren. „Wir haben einen Verantwortungskreis gegründet, um Dinge wieder neu auf die Beine zu stellen“, erzählt sie. In 2018 war ein Schwerpunkt ihrer Arbeit die Feier des 50-jährigen Bestehens der Michaelkirche, das Gotteshaus der Christengemeinschaft Murrhardt, bei der unter anderem die Aufführung eines auf die Gemeinde zugeschnittenen Spiels auf dem Programm stand. „Das hat mir viel Freude gemacht“, sagt Ursula Hausen. „Und ich schaue gerne zurück, trotz und wegen dieser insgesamt sehr bewegten Zeit.“

Durch den Wechsel in der Trägerschaft des Seniorenheims, das früher Mitglieder der Christengemeinschaft und anthroposophisch orientierte Menschen als Altersruhesitz wählten, hat sich die Klientel geändert. Heute zählt die Christengemeinschaft Murrhardt noch rund 60 Mitglieder, davon leben etwa 20 im Seniorenhaus Hohenstein. Auf diese Veränderung muss die Glaubensgemeinschaft nun ein Stück weit reagieren. Insofern stand auch besagter Wechsel ins Haus.

Pfarrerin Ursula Hausen wird eine neue Gemeinde in Vollzeit betreuen, welche ist noch nicht offiziell spruchreif. Dafür tritt Bettina Glas eine Teilzeitstelle als Pfarrerin an, die Anfang des vergangenen Jahres ihre Priesterweihe erhielt. Die 50-Jährige, die in Winterbach lebt, bringt berufliche Erfahrung aus einem ganz anderen Gebiet mit. Aufgewachsen im oberen Donautal, hat sie nach ihrem Studium an der Hochschule für öffentliche Verwaltungswirtschaft in Ludwigsburg (mit Schwerpunkt Kulturmanagement) und der Arbeit in einer Werbeagentur beim Landratsamt des Rems-Murr-Kreises angefangen und leitete später die Pressestelle. „Ich bin dann mit 39 Jahren recht spät Mutter geworden“, erzählt sie. Dies brachte nach und nach auch eine berufliche Neuorientierung mit sich. „Es gab Berührungspunkte mit der Anthroposophie über einen befreundeten Arzt, und so habe ich auch die Christengemeinschaft kennengelernt.“ Im Herbst 2014 entschloss sie sich zu einem kompletten Neuanfang, dem Besuch des Priesterseminars der Christengemeinschaft in Stuttgart, ein zweijähriges Vollzeitstudium, an das sich ein Jahr Praxis anschließt. Dies hat sie in der Gemeinde in Göppingen absolviert.

Zwei Jahre Priesterseminar, ein Jahr Praxis in der Gemeinde Göppingen

Sie freut sich auf ihre Arbeit in der Murrhardter Gemeinde, auf den Austausch mit den Mitgliedern und den besonderen Ort, dem idyllisch gelegenen Murrhardt. Dabei ist ihr Wunsch auch, die Begriffe Religion und Kirche von ihrem geistigen Gehalt her neu zu fassen und zu füllen – jenseits der vom Menschen geschaffenen, teils starren Institution Kirche. Ursula Hausen nickt, auch für sie geht es mehr darum, einem christlichen Impuls zu folgen und sich zu begegnen, beziehungsweise darüber nachzudenken, was es für den Einzelnen bedeutet, Christ zu sein und wo man sich dabei möglicherweise treffen kann – über die konfessionellen Grenzen hinweg.

Bei Bettina Glas schwingt das Bedürfnis nach geistiger Freiheit mit, gleichzeitig sieht sie auch ein generelles nach Spiritualität. Die Priester der Christengemeinschaft beschreibt sie in ihren Ansichten und Auslegungen individuell sehr unterschiedlich. Für Ursula Hausen bedeutet das Amt auch, geistig beweglich zu bleiben, denn letztlich stehen immer menschliche Vorstellungen hinter dem Glauben und keiner habe die Wahrheit gepachtet, sagt sie. Auch deshalb sind ihr ein Austausch über die Gemeindegrenzen hinweg und die Ökumene wichtig.

Pfarrerin Bettina Glas wird auch die kommenden Wochen vor allem für Begegnungen und Gespräche nutzen. Zum einen geht es darum, die Gemeindemitglieder kennenzulernen, zum anderen darum, Wünsche und Bedürfnisse in Bezug auf das künftige Gemeindeleben abzuklopfen.