Maulwurfgift löst Großeinsatz aus

Ätzender Gestank aus der Tiefgarage – Gefahrstoffunfall gestern Vormittag in Backnang

Feuerwehrmänner stellten gestern den Auslöser für die „unbekannten Dämpfe“ sicher: Es war das Begasungsmittel Polytanol. Foto: J. Fiedler

Von Florian Muhl

BACKNANG. Wegen eines verschütteten Maulwurfgifts in einer Tiefgarage ist gestern Vormittag ein Großaufgebot der Feuerwehr zur Murrhardter Straße in Backnang ausgerückt. Dass es sich um das Begasungsmittel gegen Wühlmäuse Polytanol handelte, das in die Kanalisation geraten ist, war beim Auslösen des Alarms um 10.33 Uhr jedoch noch nicht klar. Nur „unbekannte Dämpfe“ waren gemeldet worden. So rückte die Feuerwehr Backnang mit 30 Einsatzkräften und sechs Fahrzeugen aus und bildete zusammen mit der Winnender Wehr, die mit rund 15 Kräften vor Ort war, den Gefahrgutzug. In der Murrhardter Straße angekommen, stank es aus einer Tiefgarage heraus bestialisch.

Die Straße um das betroffene Hochhaus wurde auch wegen der Einsatzfahrzeuge gesperrt. Mit Atemschutzgeräten marschierten die Einsatzkräfte der Feuerwehr den unbekannten Dämpfen entgegen. Wie später die Ermittlungen der Polizei ergaben, haben gestern Mitarbeiter eines Unternehmens im Auftrag der Hausverwaltung eine Sammelgarage entrümpelt. Dabei kippte offensichtlich eine Dose mit zunächst unbekanntem Granulat auf den nassen Garagenboden. Von Mitarbeitern sollte nun das Granulat in die Kanalisation gespült werden. Was die Entrümpler aber nicht wussten: in Verbindung mit Wasser reagiert das Granulat stärker. Polytanol ist ein Granulat, das in die Gänge von Scher-(Wühl-)mäusen und Maulwürfen eingebracht wird. Durch die Bodenfeuchtigkeit entwickelt sich Phosphorwasserstoff, ein giftiges Gas, das sich in den Wühlmausgängen verteilt. So stiegen auch gestern in der Tiefgarage Dämpfe auf, die die Atemwege der Anwesenden reizten.

Durch die freigesetzten Dämpfe wurde allerdings niemand verletzt. Eine Evakuierung des Gebäudes war nicht erforderlich. Vorsorglich war ein Rettungswagen der Malteser mit zwei Notfallsanitätern vor Ort. Auch Fachkundige der Stadtwerke Backnang wurden wegen der in die Kanalisation gelangten Giftstoffe hinzugezogen. Auch die Stadtwerkemitarbeiter konnten letztlich Entwarnung geben, da wohl die Konzentration des Gifts sehr gering war und mit Spülungen des Kanalsystems die Gefahr gebannt werden konnte.

„Wir haben im Einsatzverlauf den Behälter mit dem Polytanol geborgen und an eine Entsorgungsfirma übergeben“, sagt Jan Kusche. „Die Kanaleinläufe wurden kontrolliert und der Kanal gespült, sodass keine Gefahr mehr bestand“, so der Sprecher der Backnanger Feuerwehr weiter. Die Tiefgarage sei außerdem mit einem großen Lüfter noch mal belüftet worden, um die rückständigen Gase zu vertreiben. Kusche: „Außer einer ordentlichen Geruchsbelästigung ist jetzt nichts mehr zurückgeblieben.“