CDU-Kandidaten liegen seit 1968 vorne

Einst feierten die Liberalen im Wahlkreis Backnang große Erfolge, dann die Sozialdemokraten und dann kam Erich Schneider

Mit einer Überraschung endete die Landtagswahl 1952. Die Kandidaten von SPD und DVP lieferten sich im Wahlkreis Backnang ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Die DVP gewann; ihr Kandidat holte 87 Stimmen mehr als der Sozialdemokrat. Die CDU rangierte auf Platz drei.

Mit einer Überraschung endete die Landtagswahl 1952. Die Kandidaten von SPD und DVP lieferten sich im Wahlkreis Backnang ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Die DVP gewann; ihr Kandidat holte 87 Stimmen mehr als der Sozialdemokrat. Die CDU rangierte auf Platz drei.

Von Renate Häussermann

 

BACKNANG/MURRHARDT. Der Sozialdemokrat Wilhelm Traub aus Backnang mit beachtlichen 9391 Stimmen (31,2 Prozent) unterlag 1952 dem Liberalen Georg Schuster aus Eutendorf, der mit 9478 Stimmen (31,4 Prozent) in den Landtag einzog. Der für die CDU kandidierende Wilhelm Fischer vom Fürstenhof bei Großaspach hatte vergleichsweise magere 5735 Stimmen (19 Prozent) geholt. Die Wahlbeteiligung lag bei 60 Prozent.

Schon bei der Bundestagswahl im September 1953 wendete sich das Blatt. Die Wähler im Wahlkreis Backnang votierten mit 39,6 Prozent für die CDU, mit 26,4 Prozent für die SPD und mit 22 Prozent für die FDP, die aus der DVP hervorgegangen war.

Bei der Landtagswahl 1956 schaffte es die CDU im Wahlkreis Backnang allerdings nicht, ihren Erfolg auf Bundesebene auch im jungen Bundesland Baden-Württemberg einzufahren. Bei einer Wahlbeteiligung von 71 Prozent im Wahlkreis Backnang trug Gewerbeoberlehrer Emil Erlenbusch (SPD) aus Backnang den deutlichen Sieg davon. 12322 Wähler hatten ihm ihre Stimme gegeben. Landrat Karl Limbeck (CDU) kam auf 11296 Stimmen. Die FDP spielte mit ihren 8797 Stimmen, die ihr Kandidat Richard Sauer erhalten hatte, keine große Rolle mehr.

Emil Erlenbusch, der Lehrer und Sportler, blieb der Politiker zum Anfassen. Mit 14000 Stimmen bei der Landtagswahl 1960 ließ er seine Mitbewerber Eugen Dietermann (CDU) und Julius Zehender (FDP) weit hinter sich. Auch 1964 war das so, als bei der CDU Dr. Dietrich Kalb gegen ihn antrat. In Backnang war Erlenbusch klarer Sieger, in Gaildorf und in Murrhardt auch.

Doch 1968, als Erlenbusch zum vierten Mal bei der Landtagswahl antrat, unterlag er dem Burgstaller Bürgermeister Erich Schneider (CDU): Erlenbusch hatte 15444 Stimmen auf sich vereinen können, Schneider 15740.

Vier Jahre später blieb das Mandat des CDU-Mannes Erich Schneider zwar unangetastet. Doch er bekam Gesellschaft. Der Murrhardter Giselher Gruber (SPD) erhielt ein Überhangmandat. Damit war der Wahlkreis Backnang erstmals durch zwei Abgeordnete im Landtag vertreten.

Als 1976 wieder eine Landtagswahl anstand, gab es den Rems-Murr-Kreis, und die Wahlkreise waren neu aufgeteilt worden. Backnang ist seitdem der Wahlkreis 17. Erich Schneider erreichte das Traumergebnis von 55 Prozent der Stimmen. Giselher Gruber holte knapp 34 Prozent, die ihm nicht reichten, sein Mandat zu halten. Und noch ein Blick auf die FDP: Sie blieb mit 8 Prozent unbedeutend.

1980 (53 Prozent), 1984 (51 Prozent) und 1988 (49 Prozent) zog Schneider in den Landtag ein. In seiner vierten Amtsperiode hatte sich Wesentliches getan: Erich Schneider wurde Landtagspräsident und damit protokollarisch der erste Mann in Baden-Württemberg. Und noch etwas war neu: 1980 hatten die Grünen den Sprung in den Landtag geschafft.

Sechsmal war Schneider in den Landtag gewählt worden. 1992 trat die Murrhardter Unternehmerin Rosely Schweizer seine Nachfolge an. Allerdings sackten die Christdemokraten bei dieser Wahl von 48,6 Prozent im Jahr 1988 auf 36,2 Prozent ab. Die großen Sieger dieser Wahl waren auch an der Murr die Republikaner mit 15,6 Prozent.

1996 kam es noch schlimmer. Rosely Schweizer holte zwar zum zweiten Male das Direktmandat, verlor aber erneut Stimmen; sie kam auf 34 Prozent. Die SPD rutschte von 28 auf 25 Prozent, die Republikaner von 16 auf 14 Prozent. Freude dagegen bei den Grünen; die verzeichneten einen Zuwachs von 1,1 auf 10,5 Prozent. Und Freude erst recht bei der FDP; Alfred Bauer hatte mit 13,4 Prozent das Ergebnis von 1992 mit 6,8 Prozent bei Weitem überholt.

2001 trat erstmals Wilfried Klenk als Kandidat der CDU an. Auf Anhieb holte er das Direktmandat für den Wahlkreis Backnang. 42 Prozent der Wähler stimmten für ihn; damit überflügelte er das Ergebnis seiner Vorgängerin um 8 Prozent. Auch bei der SPD ging’s aufwärts: von 24,5 auf 32,8 Prozent. Die Grünen erlitten Verluste von 10,5 auf 6 Prozent, ebenso die FDP und die Republikaner. 2006 legte Klenk nochmals 2,5 Prozent zu, die SPD verlor, die FDP und die Republikaner ebenfalls. Die Grünen holten fast 4 Prozent auf.

Klenk will nun am 27. März erneut in den Landtag einziehen. Wegen der neuen Einteilung des Wahlkreises machen sich weitere Kandidaten große Hoffnungen. Zwei von ihnen sind in die Fußstapfen ihrer Väter getreten: Gernot Gruber (SPD) ist der Sohn des ehemaligen Landtagsabgeordneten Giselher Gruber. Und Gunnar Stuhlmann (FDP) ist der Sohn von Horst Stuhlmann, der zweimal für die Liberalen angetreten ist. 1976 holte er 8 Prozent, 1992 waren es 6,8 Prozent.